Segeln lernen: Praxis Ausbildung in der Segelschule.
Die Inhalte, die Kosten und die Dauer.

Typische Fahrstunde auf einem Segelboot.
Was kostet ein Segelkurs, was muss man bei der Segelprüfung eigentlich können und wie lange dauert die Ausbildung in der Segelschule bis zur Prüfungsreife?

Diese grundlegenden Fragen stellen sich wohl jedem Skipper, jeder Skipperin in Spe bei der Entscheidung den Segelschein auf einem der tollen Schweizer Seen zu erwerben.

Welche Art der Ausbildung ist jetzt genau für Dich die passende und was wird vermittelt? Denn viele Wege führen zum kantonalen Schiffsführerausweis der Kategorie D, wie der Segelschein in Behördendeutsch so schön heisst.

Ich versuche also im Folgenden einen zwar subjektiven, aber für Deine Entscheidung hoffentlich hilfreichen Überblick zu geben.

Der Segelkurs – Dauer und Kosten.

Segeln lernen im SegelkursAls Segel-Anfänger geht man, abhängig von Vorkenntnissen und individueller Aufnahmefähigkeit, von zirka 15-25 Stunden Schulungsdauer im Einzelunterricht aus.

Allerdings gibt es neben dem intensiven und individuellen Segelkurs auch noch alternative Möglichkeiten. So kann man sich mit anderen angehenden SeglerInnen zusammentun und eine kleine Gruppe bilden, die dann das Segeln gemeinsam erlernt. Oder ganz klassisch das Segeln in einer Art Flottille erlernen, die dann von einem oder mehreren Segellehrern in Motorbooten umkreist wird.

Die einzelnen Kursarten in der Übersicht:

  • Der Einzelunterricht ist die flexibelste und auch die effektivste Form des Segelkurses, denn der Segellehrer ist mit dem Auszubildenden allein an Bord, kann optimal auf die Bedürfnisse eingehen und den Lernerfolg individuell maximieren. Sogar der Segelunterricht an Bord des vielleicht schon vorhandenen eigenen Segelbootes ist hier möglich. Da die Termine mit der Segelschule individuell vereinbart werden, kann man flexibel planen und seine Freizeit optimal zur Segelausbildung nutzen.

    Allerdings ist diese Form des Segeln Lernens auch die teuerste.

  • Im individuellen Gruppen-Segelkurs befinden sich zwei bis drei Segelschüler zu vorher vereinbarten Terminen zu einem gemeinsamen Kursteil zusammen auf dem Schulungsboot.
    In der Gruppe von 2 bis 3 Schülern auf dem Boot muss die erforderliche Gesamtstundenzahl nach oben angepasst werden, der Kurs dauert also zeitlich länger. Weil man aber auf verschiedenen Positionen an Bord eingesetzt wird, man mehr Zeit auf dem Wasser verbringt und auch von den Fehlern der anderen lernt ist der Erfolg letztendlich günstiger zu haben und meiner Meinung nach auch nachhaltiger. Denn Segeln ist auch eine Teamaufgabe und so etwas lernt man am besten im Zusammenspiel mit einer Crew.

    Ein solcher Gruppenkurs dauert in etwa 8 Tage. Der Segelkurs wird dabei vielfach in Halbtagen unterrichtet, die nicht zusammenhängend genommen werden müssen. Ein Halbtag entspricht meist einer Schulungsdauer von etwa drei Stunden in zwei Blöcken zu je 1,5 Stunden. So kommen 42 budgetierte Unterrichtsstunden für den Gruppenkurs zusammen. Die Kosten hierfür teilen sich die Teilnehmenden auf.

    Der letzte Tag des Kurses ist dabei für die Prüfung selbst reserviert, ist nicht in den Ausbildungsstunden enthalten und wird normalerweise auch gesondert abgerechnet.

  • Die klassische Segelschule mit fixen Segelschul-Kursen bietet auch handfeste Vorteile.
    In Segelschulen wie z.B. der Segelschule Thunersee, die in grösseren Gruppen mit mehreren Booten gleichzeitig ausbilden, bucht man in der Regel ganze zusammenhängende Kurse. In Thun ist das ein Grund- und ein Prüfungskurs zu je drei bis vier ganzen Tagen, die man dann in einer Art Flottille segelt. Das macht Spass und ist auch kostengünstiger als Einzel- oder Kleingruppenunterricht.
    Wenn man sich mehrere Tage zusammenhängend frei nehmen kann, ist diese Art der Ausbildung für mich das Mittel der Wahl. Man lernt durch die hohe Eigenverantwortung von Anfang an sehr schnell, trifft nette Leute und hat auf jeden Fall eine Menge Spass beim Segeln.

    Für diese Art des Segelkurses wird man sich in der Regel Ferien nehmen.

Die Kosten eines Segelkurses

Die meisten Segelschulen verkaufen den Segelkurs stundenweise oder in Paketen.
Die Preise variieren je nach Anbieter von ca. Fr. 90,00 bis hin zu Fr. 130,00 pro individueller Unterrichtseinheit. Die Dauer einer Einheit liegt dann, auch wieder je nach Anbieter, zwischen 45 Minuten und 1,5 Stunden! In einer Zweiergruppe betragen die Preise pro Einheit und Person meist etwas mehr als die Hälfte des Preises für eine Individual-Einheit.

Hinzu kommen bei den meisten Segelschulen noch Zuschläge für Versicherung, das Einfahren vor der Prüfung und die Miete des Prüfungsbootes. Einzelne Anbieter verrechnen auch noch die Überfahrt des Bootes zum Prüfungssteg oder die Unterrichtsunterlagen separat.

Bei einer angenommenen Ausbildungsdauer von 20 Unterrichts-Stunden im Individual-Segelkurs kommt man so auf einen Preis von ca. Fr. 2200.00 für den praktischen Segelkurs. Hinzu kommt aber noch der Aufwand für die kantonale Schiffsführer Theorie-Prüfung, der je nach Lernquelle auch einige Franken kosten kann.

Ich berichtete bereits über den theoretischen Teil der Segel-Ausbildung:
https://www.segelrevier.ch/segeln-lernen/ – [In neuem Fenster öffnen »]

Meiner Einschätzung nach wird man mit Fr. 2500.00 für einen individuellen Segelkurs inkl. der obligatorischen Nebenkosten und der theoretischen Schiffsführerausbildung rechnen dürfen.
Die Preise sind im übrigen beim individuellen Segelkurs in der Gruppe in etwa ähnlich hoch zu erwarten, da man ja entsprechend länger auf dem Wasser ist.

Wenn dann am Ende noch etwas Geld übrig bleibt, kann man ja z.B. Mitglied bei der Sailcom – der schweizerischen Boatsharing-Genossenschaft werden. Dann hat man sofort Zugriff auf über 60 Segelboote auf vielen Schweizer Seen und kann sofort loslegen. Aber zurück zum Thema.

Was lernt man in der Segelschule?

Der Tag der Segelschein-Prüfung an der Segelschule Thunersee-.Am Prüfungstag ist es endlich soweit:
Mit dem Experten des kantonalen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes geht es im Prüfungsboot hinaus auf den See.

Jetzt müssen die geforderten Manöver, Kommandos und Knoten sitzen!

Da man zur Prüfung für den Schiffsführerausweis Binnen nur zugelassen wird, wenn man bereits die theoretische Schiffsführerprüfung bestanden hat, findet an der Segelschule selbst keine weitere Schulung der theoretischen Inhalte statt. Dort wird dieses Wissen für den Prüfungskurs vorausgesetzt und in der Praxis vertieft: Das richtige Verhalten bei Annäherung eines Kursschiffes, die Abstände zu Fischerbooten, die Interpretation von Seezeichen und die Beachtung der Vortrittsregeln gehen einem so schnell in Fleisch und Blut über.

Segeltheorie-Segelschule-ThunerseeQuasi nebenbei gibt es dann besonders bei Flaute auch noch segelpraktische Vertiefungen, wie z.B. die Erklärung der korrekten Segelstellungen und der Umgang mit einfachen physikalische Effekten, wie z.B. dem scheinbaren Wind und ähnlichem.

Aber die meiste Zeit verbringt man auf dem Segelboot und lernt spielend die zur Segelprüfung geforderten Inhalte.

Hier also nun eine Übersicht der Kurs- und Lerninhalte:

  • Vor jedem Auslaufen: Die Seemanns-Knoten
    An der Prüfung wird man vom Prüfer aufgefordert werden mindestens drei Standard Knoten seemännisch korrekt zu knüpfen. Deshalb werden bei den meisten Segelschulen die Knoten vor Beginn eines Ausbildungstages kurz vertieft und gemeinsam gelegt.
    Beherrscht werden müssen: Der Palstek, der Kreuzknoten, der Kopfschlag, der Mastwurf (Webeleinstek), der Roringstek, der Achtnoten, der einfache und der doppelte Schotstek sowie der Rundtörn mit zwei halben Schlägen. Wünschenswert ist noch die Kenntnis des Stopperstekes.

    Bei allen Knoten kann auch noch nach dem Anwendungsfall und den Einschränkungen gefragt werden: (z.B. Kreuzknoten zur Verbindung von zwei gleich dicken Enden, löst sich bei nicht konstantem Zug.)

  • Das korrekte, seemännische Verwenden der nautischen Fachausdrücke und der Teile einer Segeljacht oder Jolle.
    Man muss also auch bei Seegang und etwas mehr Wind immer noch Lee von Luv unterscheiden können, wissen dass das entgegenkommende Boot den Wind von Steuerbord hat und man in kleineren Böen auch schon mal einfach das Grosschot fieren kann, bevor man ans Reffen denken muss…
  • Das Bereitmachen des Bootes zum Auslaufen.
    An der Prüfung muss man dem Prüfer zumindest en Detail erklären können, wie man ein Boot aufklariert. Also in einen verkehrstüchtigen und einwandfreien Zustand versetzt um damit auf den See fahren zu können.
    Dazu gehört auch das Wissen um die vorgeschriebene Ausrüstung, die Handhabung evtl. Sicherheitseinrichtungen und die Abgabe von Notsignalen.

  • Kurse am Wind benennen und segeln können.
    Wenn man aufgefordert wird „auf halben Wind abzufallen“, soll man also wissen das man den Wind nun genau von der Seite bekommen soll und die Segel entsprechend einzustellen sind. Das Kurssegeln zieht sich durch den ganzen Segelkurs, hinzu kommen dann noch die zur Beherrschung eines Segelboots notwendigen Fertigkeiten.

  • Einfache Segelmanöver durchführen und kommandieren können.
    Einfache Manöver wie die Wende aus dem Halbwindkurs werden ziemlich früh im Segelkurs gelernt. Damit der „Vorschoter“, die das Vorsegel bedienende Person, auch das Vorsegel richtig führt muss eine strukturierte Kommandosprache eingehalten werden. Diese wird anhand einer Kommandotafel eingeübt.

  • Vertiefung der Wendemanöver.
    Im weiteren Verlauf werden die Manöver mit denen man mit dem Bug durch den Wind dreht vertieft und geübt. Also die Wende aus Hart-am-Wind Kursen oder das Beidrehen eingeführt.

  • Vor dem Wind segeln, Schiften und Einführung Segelmanöver „Halse“
    Im Prinzip kann man jede Kursänderung auch mit einer Wende erreichen. Mitunter ist es aber einfacher mit dem Heck durch den Wind zu drehen, z.B. wenn dieser sowieso achterlich – also von hinten – einfällt. Aus den Kursen „vor dem Wind“ wird so das Manöver „Halse“ eingeführt.

  • Alle Kurse segeln und in jeden gewünschten Kurs wenden oder halsen können.
    Dann kann man eigentlich schon segeln. Mehr braucht man nicht um von A nach B zu kommen. Aber es kann ja immer mal was passieren und irgendwann muss man auch wieder zurück in den Hafen. Da sollte man die Feinheiten beherrschen…

  • Sicherheit: Das Reffen.
    Wenn der Wind zu stark wird, muss man die Segelfläche verkleinern um noch genügend Vortrieb und Kursstabilität zu haben um das Boot sicher zu führen. Dies ist von Boot zu Boot unterschiedlich und wird anhand des Schulbootes vorgestellt.

  • Vollkreis um eine Boje fahren.
    Mit dem engen Vollkreis um eine Boje wird das Bootshandling einem Feinschliff unterzogen. Dabei müssen die Segel kontinuierlich dem Windeinfall angepasst werden und alle Kommandos für das Kurssegeln und die Manöver werden benötigt.

  • Aufschiesser zur Boje
    Aus einem Halbwindkurs heraus quasi rechtwinklig so auf eine Boje im Wind zuhalten, dass das Boot direkt vor der Boje zum Stillstand kommt. Das trainiert das räumliche Vorstellungsvermögen und das Gefühl für Wind und Boot. Wenn man mal zu schnell ist, kann man sogar mit dem Grosssegel bremsen …

  • An- und Ablegen an einer Boje in Ufernähe
    Auch wenn man diese Manöver später vielleicht mit Motorunterstützung fährt: Im Segelkurs wird alles gesegelt. Auch das Ab- und Anlegen erfolgt also ausschliesslich unter Segeln und der vielleicht vorhandene Aussenborder bleibt aus. Mit dem An- und Ablegen an einer Boje bekommt man das Gefühl, dass man später im (engen) Hafen und evtl. in der Box benötigt.

  • Boje-über-Bord Manöver mit Q-Wende und (Beinahe-) Aufschiesser
    Das klassische „Mensch-über-Bord-Manöver“, wie es an der Prüfung verlangt wird. Alternativ und zusätzlich gibt es noch die Variante mit der Halse, die meiner Meinung nach schneller gefahren werden kann. Beim Fender-über-Bord müssen die richtigen Segelkommandos schnell, entschlossen und vor allem korrekt erfolgen damit der Fender gerettet werden kann…

  • An- und Ablegen an einen Steg und sofern vorhanden in eine Box.
    Quasi das Start- und Endprogamm der Prüfungsfahrt. Mit dem Ablegen vom Steg beginnt die Prüfung und zum Schluss sollte man das Boot noch sauber wieder an den Prüfungssteg zurückbringen und einparken. Je nach Wind gibt es hier verschiedene Varianten, die Prüfungsstege erlauben aber meist die relativ bequeme Variante gegen den Wind 😉

  • Die Prüfungsvorbereitung.
    Jetzt wird es Ernst: Alle Manöver und Knoten sind eingeübt und auf allfällige Fragen des Prüfungs-Experten ist man perfekt vorbereitet. Wenn nicht grade Flaute oder Starkwind herrscht, wird die Prüfung durchgeführt und auch bestanden. Kurz bevor es losgeht, fährt man sich warm und übt nochmal alles.
    Dann kann nichts mehr schiefgehen. Viel Erfolg!

Nach der Prüfung erhält man den Prüfungsbericht, der bis zur Ausstellung des Schiffsführerausweises der Kategorie D als Fahrerlaubnis gültig ist.
Für die meisten beginnt nun das eigentliche Lernen erst – Denn nur die Erfahrung auf dem See macht aus einem Führerausweisinhaber auch einen guten Skipper oder eine gute Skipperin.

Du möchtest nun direkt starten und weisst nicht bei welcher Segelschule Du mit dem Segelschein beginnen sollst?

Unter https://www.segelrevier.ch/segelschulen/segelschule-finden-schweiz/ findest Du einen Artikel von mir zur Auswahl einer Segelschule.

Ein Verzeichnis der Bootsfahrschulen in der Schweiz wird hier grade erstellt, bis dahin findest Du unter den folgenden Adressen eine recht umfassende Auflistung.

https://www.boatdriver.ch/infos/bootsfahrschulen-schweiz
http://www.bootsfahrschulen-schweiz.ch/ausbildungstaetten/mitgliederverzeichniss/

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Auswahl und bei der Ausbildung mit der Bootsfahrschule Deiner Wahl!

Wie immer freue ich mich über Hinweise, Kritik und Anregungen.
Am liebsten über das untenstehende Kommentarformular – Denn dann haben alle was davon.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie über die nautischen Ausbildungen in der Schweiz.
Ein Verzeichnis aller bisher zu diesem Thema erschienenen Artikel findest Du hier:

https://www.segelrevier.ch/seemannsgarn/segeln-lernen/

Immer die Handbreit Wasser unterm Kiel!


Illustrationen:
Segelschul-Stunde mit drei Personen: © synto – Fotolia.com
Segelboot auf Törn: © Jan Kranendonk – Fotolia.com
Ausfahrt zur Prüfung: Eigenes Foto – Segelschule Thunersee vom 09. Juni 2014
Wandtafel in der Segelschule: Eigenes Foto – Segelschule Thunersee

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Eine Antwort auf “Segeln lernen: Praxis Ausbildung in der Segelschule.
Die Inhalte, die Kosten und die Dauer.”

  1. Wingeier Fredy
    8. Juli 2015 at 10:18 #

    Ausführlich und korrekt beschrieben..ich habe mich im ganzen Text wieder gefunden…..und es war eine tolle Zeit, den Segelschein zu erwerben…..und gaaanz wichtig ist die Aussage, das man anschliessend wirklich segeln soll, denn nur diese manchmal auch schmerzlichen, aber meistens tollen Erfahrungen bringen einem weiter….Danke für diesen Bericht

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