SKS Training ohne Steuerwirkung

Rügen im Herbst –
Auf dem Programm standen 2 Tage intensives Manöver-Training für praktische Prüfung zum Sportküstenschifferschein. Alles andere war bereits in der Tasche: Die theoretische Prüfung und auch genug Seemeilen waren in den Meilenbüchern der Teilnehmer verzeichnet. Also eigentlich ein ganz einfaches unterfangen. Ein paar Mal die Boje rausschmeißen und sie wieder aufnehmen und die anderen Manöver. So sah zumindest die Planung aus und die Crew und der Skipper wollten es gemütlich angehen.

So liefen wir dann an einem späten Mittwoch-Vormittag mit unserer Bavaria 36 aus und fuhren erst einmal paar Manöver unter Motor. Alles klappte zufrieden stellend.
Da der Wind inzwischen auf Stärke 6 aufgefrischt hatte, suchten wir uns eine ruhige Ankerstelle um im Landschutz gemütlich unsere Mittagspause zu machen, und den Magen zu füllen.
Nach der Pause hieß es dann Anker auf und Segel setzen. Aufgrund des Windes entschieden wir uns, erst einmal mit dem 2. Reff zu starten, man musste es sich ja nicht unnötig schwerer machen als notwendig.
Das Boje-über-Bord-Manöver unter Segel startete. Und irgendwie war es merkwürdig. Teilweise klappte alles auf Anhieb und bestens, teilweise war der Wurm drin. Jeder Teilnehmer versuchte sich mal und der Skipper wunderte sich…
Dann plötzlich stellten wir das System fest, wann es funktionierte und wann nicht… es klappte immer dann, wenn der Aufschießer nach Backbord gefahren wurde, beim Aufschießer nach Steuerbord scheiterte das Manöver. Entweder kam man nicht an die Boje ran oder man verhungerte auf den letzten Metern. Was war los?!
Ein bisschen „herumspielen“ brachte dann die Erkenntnis… wir hatten von gefahrener Mittelstellung des Ruders nach Steuerbord 0,25 Steuerrad-Umdrehungen und nach Backbord immerhin 1,5 Umdrehungen. Entsprechend sprang das Boot bei einer Wende nach Backbord herum wie ein gespannter Flitzebogen und bei einer Wende nach Steuerbord mussten wir trotz des starken Windes und hoher Geschwindigkeiten durchs Wasser teilweise die Fock backhalten um durch den Wind zu kommen.
Also liefen wir den Hafen an und wandten uns an den Vercharter. Dieser schickte seinen Techniker, der den Fehler aufs heftigste abstritt: Das könne überhaupt nicht sein. Erst nach mehrmaligen nachdrücklichen Protesten ließ er sich zu einer Testfahrt bewegen. Und siehe da… der Fehler existierte tatsächlich.
Damit lagen wir den Rest des Tages im Hafen und die Technik-Manschaft suchte nach dem Fehler an der Ruderanlage. Dieser wurde dann auch irgendwann gefunden und behoben.
Blieb also noch ein ganzer Tag für das Training.
Nach einem gemütlichen Frühstück am Donnerstag morgen ging es wieder raus und auf dem halben Weg zum „Übungsgebiet“ stellten wir fest, dass unser „Mann-über-Bord-Boje“ fehlte. Wende und zurück zum Hafen. Wir hatten sie offensichtlich während der Testfahrt am Vortag verloren. Naja, dafür reagierte die Yacht nun ordentlich.
Gegen Mittag konnten wir dann endlich mit einer neuen Boje bewaffnet auslaufen und Kurs zum Übungsgebiet aufnehmen. Die ersten Manöver liefen bilderbuchmäßig, aber dann plötzlich gab es Probleme beim Wenden über Steuerbord. Wir hatten noch immer 6 Bft, 7 kn FdW und mussten beim Wenden backhalten. Unser Ruderfehler war wieder da.
Was tun? Wir riefen den Vercharterer an und fragten nach einer anderen Yacht. Momentan nicht so ohne weiteres möglich war die Auskunft. Aber da wir nun den Fehler kannten, konnten wir uns manöverseitig drauf einstellen. Und so klappten dann mit einer Fehlerquote von ca. 30% auch die Aufschießer nach Steuerbord,… okay es waren eigentlich nur Beinahe-Aufschießer.
Abends lag dann der Techniker wieder im Rudergestänge und versuchte sein Glück. So konnten wir dann am Freitag morgen auch die ersten beiden Manöver mit vollem Funktionsumfang fahren – bis der Schaden dann wieder eintrat.
Nichts desto trotz klappte die SKS-Prüfung für alle Mann auf Anhieb. Der Prüfer wollte den Schaden erst einmal nicht glauben und rief deswegen beim ersten Wenden über Steuerbord: „Ruder weiter rum!“ – dann sah er, dass es bereits am Anschlag war und meinte…. „oh Gott wie kann man Euch zumuten mit so einem Boot eine Prüfung zu fahren?“.

Mehr Geschichten rund ums Segeln auf www.segel-berichte.de.

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