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Hochseeschein Kurs Abend 11:
Potz Donner – Das Wetter! Meteo an Bord.

Heraufziehendes schlechtes Wetter auf dem Thunersee. Das Wetter und die Beurteilung der Wetterentwicklung als Skipper. Ein wichtiges und komplexes Thema, das wir heute behandeln.

Ganz klar: Ein so grosses und wichtiges Gebiet kann unmöglich nur an einem Abend umfassend und praxistauglich vermittelt werden. Hier ist auch nach der Lektion noch Eigeninitiative gefragt, wenn man als Skipper später die Wetterentwicklung der nächsten Stunden anhand von Wetterkarten und der Umweltbeobachtung einigermassen sicher beurteilen können möchte!

Achtung - Wichtiger HinweisAnstatt sich blind auf die Vorhersagen diverser Smartphone-Apps, die sich mitunter fundamental widersprechen, zu verlassen, sollte der Skipper auch in der Lage sein sich ein eigenes Bild zu machen.

Daher empfehle ich unbedingt den Besuch eines nautischen Meteo-Seminares zur Ergänzung dieser Kurseinheit, die naturgemäss nur die Grundlagen dieses interessanten Themas streifen kann!

Eine Wetterkarte mit schönen TiefdrucksystemenGrade zu fundamentales Wissen stellt die Fähigkeit dar, die zu erwartenden Wettererscheinungen anhand von Wetterkarte, Vorhersagen und eigenen Beobachtungen der Umwelt zumindest in Grundzügen beurteilen zu können.

Die auf den Wetterkarten enthaltenen Informationen bieten dem Skipper wichtige Informationen zur eigenständigen Beurteilung der Wetterentwicklung der nächsten Stunden. Allerdings sollten so viele verschiedene Informationsquellen wie nötig in die Törnplanung mit einbezogen werden. Nicht nur die Route, sondern auch die Sicherheit von Mannschaft und Yacht hängt von der richtigen Interpretation der aktuellen Wetterkarte, den Wettererscheinungen der Umwelt und den zur Verfügung stehenden meteorologischen Informationen ab.

Deswegen gilt: Wir beurteilen eigenständig nur den „Ist-Zustand“ des Wetters.
Die Prognose und Vorhersage über längere Zeiträume überlassen wir den Profis! Die Entscheidung über die Durchführung von Tages-Etappen und die Wahl der Route treffen wir immer unter sorgfältiger Abwägung der uns zur Verfügung stehenden Informationen.
Diese Entscheidungen und die von uns erwarteten Wetterbedingungen werden unter Angabe der Quellen (Wetterdienst, App, Kartenskizze, Luftdruck …) täglich im Logbuch dokumentiert.

Die Grundlagen

Für uns Wassersportler am meisten von Bedeutung und Interesse ist sicherlich der Wind und seine Auswirkung auf unser Vorhaben.
Um die voraussichtliche Entwicklung des Windes – und anderer Wetterphänomene – einigermassen beurteilen zu können, brauchen wir zunächst einmal eine grobe Vorstellung von dem, was „Wind“ eigentlich ist und wie er entsteht.

Die Atmosphäre

Aufbau der AtmosphäreDie unsere Erde umgebende Lufthülle, die Atmosphäre, ist in ihrer Gesamtheit einige hundert Kilometer stark und in verschiedene Schichten unterteilt. Sie besteht aus einem Gasgemisch aus Stickstoff, Sauerstoff, Edelgasen und Kohlendioxid sowie einem schwankenden Anteil von Wasserdampf in unterschiedlicher Menge. Der Wasseranteil hat auf das Wetter eine grosse Auswirkung, da die Luft je nach Temperatur und Luftdruck nur eine unterschiedliche Menge Wasserdampf aufnehmen kann.

Die Lufthülle wird durch die Schwerkraft über der Erde festgehalten und wird neben der Sonneneinstrahlung auch von der Rotation der Erde beeinflusst.

Der für unser Wettergeschehen im wesentlichen relevante Teil der Atmosphäre ist die Troposphäre, die sich in Höhen bis ca. 15 Kilometer über dem Meeresspiegel erstreckt. Wetter beschreibt den augenblicklichen Zustand der Atmosphäre an einem Ort.

Das Wetter

Das Wetter an einem Ort entsteht aus der Wechselwirkung verschiedener Faktoren wie z.B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck.
Die sich ergebenden Sichtverhältnisse, der Niederschlag, die Bewölkung oder der Wind sind Ergebnisse dieser Wechselwirkungen.

Da z.B. warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kalte Luft, kondensiert in warmer Luft enthaltener Wasserdampf bei unterschreiten des „Taupunktes“ je nach Höhe des Kondensationsvorganges zu Dunst, Nebel oder Bewölkung. Wolken sind daher, wie auch die periodische Messung des Luftdruckes mit dem Barometer ein guter Indikator für die aktuellen Wettervorgänge in der Atmosphäre.

Der Luftdruck ist quasi das Gewicht der Luftsäule über einem Punkt und wird in Hektopascal (hPa) angegeben. Der mittlere Luftdruck in Meereshöhe beträgt bei einer Temperatur von 15°C 1013.25 hPa. Entstehen zwischen zwei Orten Unterschiede im Luftdruck, beginnen sich die Moleküle der Luft vom hohen Druck hin zum niedrigen Druck zu bewegen. Diese Bewegung nehmen wir als Wind war.

Für uns von Bedeutung sind dabei einerseits die lokalen Winde, meist thermischen Ursprungs und die als Gradientwinde bezeichneten grossräumigen Luftströmungen zwischen atmosphärischen Tief- und Hochdruckgebieten.

Thermische Winde

Thermische Winde: Land-See Wind SystemThermische Winde werden grösstenteils durch kleinräumigere Temperaturunterschiede hervorgerufen.
So erwärmt die Sonne z.B. im Sommer das Land an der Meeresküste relativ schnell, woraufhin die Luft über dem Land ebenfalls erwärmt wird. Diese warme Luft steigt aufgrund ihrer nun geringeren Dichte auf und bildet ein kleines „Hitzetief“ in das vom der Wasseroberfläche des Meeres abgekühlte, dichtere Luft einströmt. Diese erwärmt sich nun wieder und so läuft dieser Kreislauf solange weiter, wie das Land wärmer ist als die Wassertemperatur.

Am Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, kühlt sich das Land schneller als das Wasser ab. Dann kann sich der Effekt auch umkehren: Über dem nun wärmeren Wasser beginnt die Luft aufzusteigen und über dem in der Nacht abgekühlten Land abzusinken. Es kommt zu „Landwind“. Am Morgen und am frühen Abend herrscht dann bei ruhigem Sommerwetter gerne Windstille.
Dieses Tagesgangwetter kommt in einigen Segelrevieren wie z.B. den Ionischen Inseln oder vor der Kroatischen Küste in den Sommermonaten häufig vor und machen diese zu beliebten Zielen für den Segelurlaub.

Thermische Winde und der daraus resultierende „Tagesgang“ sind in reiner Form nur bei ruhiger Grosswetterlage den Segelwind bestimmend. Kommen grossräumige Luftströmungen aus Tief- oder Hochdruckgebieten hinzu, werden diese Winde überlagert und verschwinden teilweise völlig.

Gradientwinde – Die grossen Windsysteme

Die grossen planetarischen WindsystemeIn globalem Zusammenhang betrachtet sorgt die planetarische Zirkulation für die grossen, unser Wetter bestimmenden und ringförmig um den Globus angeordneten Druckgebilde.

Die innerhalb dieser Drucksysteme vorherrschenden Winde werden durch die Sonnenenergie, die Erdrotation und die sich aus der Rotation ergebende Corioliskraft in Stärke und Richtung bestimmt.

Ein Beispiel für ein solches Drucksystem ist unser „Azorenhoch“, das relativ stationär je nach Jahreszeit um die 30° Nördlicher Breite herum schwankt und uns mit seinen geliebten Ausläufern die schönsten Sommerwochen bescheren kann.

Der südlich dieser Breite beginnende „Nord-Ost-Passat“ ist ein Ausgleichswind von den höheren Luftdrücken im Norden hin zur äquatorialen Tiefdruckrinne. Durch die Erdrotation (die Corioliskraft) findet eine Ablenkung der eigentlich nach Süden strömenden Luftmassen in Richtung West statt, so das daraus der stetige Nord-Ost Passatwind resultiert.

Nördlich unseres „Azorenhochs“, etwa zwischen 45° (Winter) und 60° (Sommer) nördlicher Breite, treffen die subtropisch warmen Luftmassen an der Polarfront auf polare Kaltluftmassen. Da sich warme und kalte Luft ähnlich schlecht vermischt wie Wasser und Öl, gleiten diese Luftmassen relativ streng getrennt aneinander vorbei.

Kurzes Schema der ZyklogeneseAufgrund der starken Temperaturunterschiede und des Bestrebens nach Druckausgleich an dieser Frontalzone bildet sich in grosser Höhe auch das als Jetstream bekannte Westwindband, in dem teilweise Windgeschwindigkeiten bis zu 500 km/h gemessen werden können.

Kleine Störungen entlang der Polarzone können Wellen an der an und für sich graden Trennline zwischen warmer und kalter Luft entstehen lassen. Wenn sich diese weiter aufbauen, entsteht durch das Aufgleiten warmer Luft in Richtung Norden und dem Abgleiten kalter Luftmassen nach Süden ein Wirbel. An den Luftmassengrenzen zwischen warmer und kalter Luft stellen wir spezifische Wetterphänomene fest: Ein Fronten-Tief ist geboren.

Das Fronten-Tiefdruckgebiet

Aufzugsgebiet eines FrontentiefsSolche dynamischen Tiefdruckgebiete und die damit verbundenen Fronten sind in unseren Breiten die häufigste wetterbestimmende Kraft.

Deswegen schauen wir uns die einzelnen Phasen des Frontentiefs und die typischen Erkennungszeichen und Wetterauswirkungen im Hochseeschein-Kurs genauer an.

Die Phasen eines Frontentiefs

  • Die Aufzugsbewölkung

    Typischerweise kündigen zunächst hohe Wolken (Eis- / Cirruswolken) die aus westlichen Richtungen in grosser Höhe aufziehen, einen baldigen Wetterwechsel an. Diese Wolken werden durch das Aufgleiten von warmer Subtropischer Luft über die kältere und dadurch dichtere Luft am Boden verursacht.
    Bei fortschreitender Verdrängung der kühleren Bodenluft findet die durch Kondensation verursachte Wolkenbildung an den Luftmassengrenzen in immer tiefer liegenden Luftschichten statt. Aus den Eiswolken werden so immer tiefere, dichtere Wolkengebilde bis kurz vor Eintreffen der Front der Niederschlag (Landregen) einsetzt.

  • Die Warmfront

    Während der Passage der Warmfront, die häufig durch den Niederschlag aus tiefen Nimbostratus-Wolken angekündigt und begleitet wird, steigen die Temperaturen markant an. Der Wind weht nun frischer aus meist Südwestlichen Richtungen und die Bewölkung lockert nach dem Durchzug der Warmfront auf. Der Luftdruck verändert sich mit sinkender Tendenz nur unwesentlich.

  • Der Warmsektor

    Im Warmsektor herrscht vielfach schönes Segelwetter. Die Temperaturen sind nun ein paar Grad höher als vor der Warmfront, die Bewölkung ist aufgelockert und der Wind weht aus südwestlichen Richtungen. Da die Luft im Warmsektor warm-feucht labil geschichtet ist, können im Warmsektor eines Frontentiefs im Sommer im Tagesgang auch Gewitterzellen ausbilden, die schwere Böen oder sogar Hagel mitbringen können.
    Nach einigen Stunden nähert sich aus meist westlichen Richtungen die zum Tiefdruckgebiet gehörende Kaltfront.

  • Die Kaltfront

    Die Kaltfront kommt näherEine sich nähernde, aktive Kaltfront ist in der Regel gut durch die eindrucksvolle Wolkenwand zu erkennen, die durch das abrupte Aufgleiten der feuchten Warmluft über die einströmende, deutlich kühlere Luft der Kaltfront hervorgerufen wird. Dabei bilden sich vielfach schwere Gewitter und der Wind nimmt beim Eintreffen der Front deutlich zu. Dabei dreht die Windrichtung typischerweise über West auf Nordwestliche Richtungen und der Luftdruck steigt markant an.

    Kaltfronten sind für Sportbootfahrende eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle, denn sie haben neben Gewittern auch vielfach schwere Sturmböen mit im Gepäck. Kaltfronten werden in den Wetterkarten durch eine blaue Linke mit Zacken in Zugrichtung der Front gekennzeichnet.

  • Rückseitenwetter

    Nach dem Durchzug der Kaltfront ist die Atmosphäre zunächst noch instabil geschichtet, die Bewölkung lockert auf und es kann vereinzelt zu Schauern kommen. Die Luft ist klar und es ist generell kühler als vor der Front. Die aus nördlichen Richtungen einströmende Kaltluft lässt den Luftdruck weiter steigen und nach einer Zeit beruhigt sich das Wetter. Wir kommen in den Bereich eines Zwischenhochs das dann, sofern sich kein stationäres Hochdruckgebiet entwickelt, wahrscheinlich nach einigen Tagen durch den Aufzug einer Warmfront wieder beendet wird.

Das Hochdruckgebiet

Bei einem Hochdruckgebiet sinken die Luftmassen ab und gleiten quasi seitwärts aus dem Hochdruckgebiet heraus, meist in ein Tiefdruckgebiet hinein.
Windrichtung zwischen Hoch und TiefDurch die Corioliskraft abgelenkt,ergeben sich so die unterschiedlichen Drehrichtungen von Hoch und Tiefdruckgebieten: Das Hochdruckgebiet dreht auf der Nordhalbkugel der Erde im Uhrzeigersinn, das Tiefdruckgebiet im Gegenuhrzeigersinn. Durch die Absinkbewegung kann die Luft aus einem Hochdruckgebiet heraus mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die Bewölkung ist daher gering. Es herrscht meist „schönes Wetter“.

Die Wetterkarte

Eine Wetterkarte mit schönen TiefdrucksystemenWenn man die Orte gleichen Luftdrucks auf einer Landkarte miteinander verbindet, erhält man so etwas wie ein „Luftdruck-Höhenprofil“ der Atmosphäre, vergleichbar eines Höhenprofils einer Wanderkarte.

Diese Linien auf der Wetterkarte werden „Isobare“ genannt und ermöglichen uns relativ einfach die grobe Beurteilung von Windstärke, Windrichtung und grossräumiger Wetterlage an einem auf der Wetterkarte abgebildeten Ort. Aus der Kenntnis des Luftdruckunterschiedes benachbarter Isobare und deren Abstand auf der Wetterkarte kann die Stärke der Ausgleichsbewegung der Luftmasse abgeschätzt werden. Das entspricht der Windstärke. Der Wind bewegt sich am Boden mit einer leichten Ablenkung in Richtung Tiefdruckgebiet in etwa Parallel zu den Isobaren. So lässt sich auch die generelle Windrichtung aus der Wetterkarte heraus ableiten.

Durch die Stellung von Hoch- und Tiefdruckgebieten zueinander auf der Wetterkarte können einige der bekannten Windsysteme erkannt werden. So lassen sich Wetterlagen die z.B. den Mistral oder den Meltemi hervorrufen aus Wetterkarten relativ zuverlässig ablesen.

Zur Vereinfachung werden die Windgeschwindigkeiten und -Richtungen sowie andere Daten aber auch in der Wetterkarte mittels standardisierter Zeichen angegeben.

Einfluss der Geländeformen auf die Wind- und Wetterverhältnisse

Düsen und Ablenkeffekte des WindesHügel, Berge, Kaps und Meerengen haben auf die Windgeschwindigkeit und -Richtung einen erheblichen Einfluss.

So kann sich der Wind vor einem Kap verstärken, stauen oder nach der Passage des Kaps sogar in Gegenrichtung wehen. In Meerengen wird sich der Wind durch den Düseneffekt in und Leeseitig der Verengung teilweise erheblich verstärken. Zwischen den Inseln Gran Canaria und Teneriffa z.B. ist eine Steigerung der Windstärken um 2 Beaufort keine Seltenheit. Der hier vielfach mit Windstärken zwischen 4 und 5 Beaufort wehende Nord-Ost Passatwind verstärkt sich hier also auf bis zu 7 Beaufort und mehr!

Fallböen und LeewirbelAber auch wenn man mit seinem Boot in Lee einer Insel Schutz vor Wind und Wellen sucht, sollte man auf der Hut sein.

Hinter kleineren Bergen und Hügelzügen können sich vertikale Leewirbel bilden, die den Wind plötzlich mit durchaus hoher Geschwindigkeit auflandig wehen lassen können. Oder von hohen Bergen, z.B. an den Leeküsten einiger griechischer Ägäisinseln (z.B. Ikaria) können Fallwinde so stark die Hänge herab sausen, dass sogar Segel zerrissen und Yachten zu Schaden kommen können.

Hinweise auf solche Effekte, die manchmal nur bei bestimmten Wetterlagen auftreten, findet der Skipper in den hoffentlich vorhandenen Revierführern und Unterlagen. Auch ein Abend mit Google zum geplanten Segelrevier kann für die Törnplanung wertvolle Informationen zutage fördern.

Wind, Wellen und Seegang

Je nach Wassertiefe, Stärke und Weglänge des Windes über einer freien Wasseroberfläche baut sich mit der Zeit eine Windsee auf. Dabei gilt vereinfacht: Je länger der „Fetch“ genannte freie Weg des Windes über das Wasser und je stärker der Wind, desto stärker die Windsee.
In der Beauforttabelle ist dieser Effekt in der Beschreibung der durch die einzelnen Windstärken hervorgerufenen Phänomene berücksichtigt und beschrieben.

Wellen wirken begrenzt auch in die Wassertiefe. Fällt die Wassertiefe nun unter diese Wirkungstiefe der Wellen, beginnen die Wellen steil zu wachsen und zu brechen. Eine Grundsee bildet sich, in die man unbedingt vermeiden sollte zu fahren.

Nach dem Abflauen des Windes beruhigt sich das Meer nur langsam, die verbleibende Welle nennt man „Dünung“. Eine Dünung kann aber auch von einem entfernt stattfindenden Sturm ausgehen. Je nach Richtung aus der sie kommt, kann diese Dünung also auch ein Warnzeichen sein!

Einige typische Wetterlagen

MeltemiWie ich weiter oben schon andeutete, kann man aus der Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten und den Isobarenabständen wiederkehrende und bekannte Wetterlagen erkennen und abschätzen.
Ein Beispiel hierfür ist die typische, nebenstehend abgebildete „Meltemi-Lage: Ein Hoch über dem Balkan und ein sommerliches Hitzetief über Anatolien stehen sich gegenüber, genau in der Mitte dazwischen: Die Ägäis. Und nun stellt Euch einfach vor, das Tief und das Hoch arbeiten wie Schaufelräder ineinander und befördern Luft von Nordwest nach Südost, in etwas den Isobaren folgend.
Dann erkennt man den Meltemi, der von Mai bis September gern über der Ägäis auftritt und bei schönstem Wetter für die flottesten Segelwinde, teilweise bis hin zur Sturmstärke, sorgt.

Im Kurs schauen wir uns dann noch die eine oder andere typische Wetterlage, z.B. für Schirokko, Bora oder Mistral an und bewerten Wetterkarten rudimentär auf einen fiktiven Törnschlag hin.

Die Wettervorhersage an Bord

Eines der wichtigsten Kapitel zur Törnplanung ist eine verlässliche Wettervorhersage an Bord.
Neben den eigenen Fähigkeiten zur Beurteilung der kurzfristigen Wetterentwicklung am Ort selbst müssen wir uns bei unserer Passageplanung auf die Prognosen der Profis, der Meteorologen der einzelnen Wetterdienste stützen. Aber welche dieser vielen Dienste bietet nun die verlässlichste und beste Vorhersage für unser Törnziel?

Für die Wettervorhersage an Bord stehen uns vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Informationen der staatlichen Seewetterdienste

    Die Prognosen der meist staatlichen Seewetterdienste sind für das Seegebiet in dem wir uns befinden, wohl erste Wahl.
    Denn die Vorhersagen dieser Profis sind in der Regel auch durch die lokale Kenntnis der Wetterphänomene ergänzt und umfasst daher auch Erfahrungswerte, die anderen Wetterdiensten hier fehlen dürfte. So ist die Wetterprognose des Deutschen Wetterdienstes für die Nord- und Ostsee sicher sehr gut, im westlichen Mittelmeer mussten wir allerdings erleben, dass die Vorhersage öfters nicht ganz die Treffgenauigkeit der spanischen Kollegen hatte.

    Die Seewetterberichte werden meistens über Seefunk (UKW) nach einem bestimmten Zeitplan gesendet. Diese Aussendungen werden meist auf Kanal 16 kurz vorher angekündigt, man wechselt dann auf einen Arbeitskanal und nimmt den Seewetterbericht dann am besten mit z.B. einem Handy auf. Dann kann man sich den meist etwas schwer verständlichen Wetterbericht immer wieder nach Bedarf anhören.

    Meistens gibt es noch eine oder zwei Radiostationen, die den Seewetterbericht einmal täglich im Rahmen des Radioprogramms aussenden.

  • Wetterberichte im Internet
  • Im Internet finden wir eine grosse Auswahl an spezialisierten Wetterseiten, die auch Informationen zum Seewetter bereitstellen. Einige der bekannten Seiten sind z.B. http://www.wetteronline.de/segel, http://de.windfinder.com/, http://www.windguru.cz/de/index.php oder auch https://www.meteoblue.com/de/wetter/karte/niederschlag/europe.

    Zur Törnvorbereitung daheim gehört auch die Recherche nach lokalen Wetterquellen im Internet, so bietet z.B. der staatliche meteorologische Dienst von Kroatien eine gute Seite mit amtlichen Informationen zur Wetterentwikclung in der Adria: http://prognoza.hr/nauticari_e.php?id=nauticari

    Ein wenig Recherche kann hier zu deutlich besseren Vorhersagen führen als man von den „Generalisten“ erhalten kann!

  • Wetter-Apps
  • Die App-Stores der Handyhersteller bieten eine grosse Auswahl an Wetter-Apps, die sich auch teilweise gezielt an Segler richten.
    Auch hier gilt: Nicht jedes App ist für jedes Seegebiet gleich gut geeignet. Im Ionischen Meer lieferte bei unseren Törns der Windfinder gute Prognosen, vor den Balearen lag hingegen der Windguru deutlich vorn.

    Wir verwenden an Bord die folgenden Apps, die sich bewährt haben:

    WeatherPro in der Premium-Version. | Android
    Windfinder Pro | Android
    WindGuru | Android

  • Wetterinformationen vor Ort
  • Die meisten Hafenmeistereien hängen morgens die aktuellen Wetterinformationen an der Information aus. Auf dem Weg zum Bäcker kann man sich so mit den aktuellen Wetterinfos eindecken. Allerdings gehen viele Hafenmeister mittlerweile dazu über, einen Ausdruck von WindGuru o.ä. zu verwenden. Immerhin mag das ein erster Hinweis auf das vor Ort am besten funktionierende Wetter-App sein….

    Auch Tageszeitungen drucken meist eine rudimentäre Wetterkarte auf den Wettervorhersagen ab. Ein Besuch in einer Bar kann hier auch helfen, Informationen zum Wetter zu sammeln.

    Und manchmal hilft auch ein Gespräch mit Einheimischen im Hafen weiter. Denn diese kennen die lokalen Wind- und Wetterphänomene vielfach besser als jeder Wetterdienst. Wenn einem also ein Angler am Kai beim Auslaufen den Vogel zeigt könnte es nicht nur bedeuten, dass wir über die Angelschnur gefahren sind… So ist es mir 1993 auf meinem ersten „Kanaren-Törn“ von Gomera nach El Hierro ergangen. Ein paar Stunden nach dem Auslaufen wussten wir was „Loco!“ bedeutet.

Weiterführende Informationen und Medien

Icon LeuchtturmUnser Kursabend kann nur einen kleinen, grundlegenden Einblick in das komplexe und faszinierende Thema des Wetters geben.
Ein verantwortungsvoller Skipper wird sich in diesem Bereich weiterbilden um an Bord verantwortungsvolle Entscheidungen, die auch für die gesamte Mannschaft von grösster Wichtigkeit sind, treffen zu können. Dazu gehört in besonderem Masse die Beurteilung des Wetters für die geplante Passage. Wer ohne einen interpretierten Wetterbericht ausläuft, handelt grob fahrlässig! Deswegen müssen die Wetterinfos auch täglich im Logbuch festgehalten werden.

Ich empfehle aus meiner Erfahrung heraus immer wieder das Buch „Das Wetter von Morgen“ aus dem Delius-Klasing Verlag zur Weiterbildung daheim:

Das Wetter von morgen: Praxis für den Yachtsport

Dieses Buch richtet sich vom Segler an den Segler und erklärt leicht verständlich und in die Tiefe gehend das „Wetter von Morgen“. Meiner Meinung nach sollte dieses Werk in keiner Bordbibliothek fehlen!

Last, but not least:
Besuchen Sie ein Meteo-Seminar einer Segelschule! Diese werden vielfach in Zusammenarbeit mit nautisch engagierten Meteorologen veranstaltet und bieten eine unterhaltsame Vertiefung dieses interessanten Themas.

Gute Meteo-Seminare bieten unter anderem an:

Mit dem folgenden 12 Abend schliessen wir dann den Hochseeschein Abendkurs ab.
Der Bericht über diesen, letzten, Abend wird nicht ganz so lang werden, werden dort hauptsächlich einige Aspekte der Seemannschaft, der Törnplanung und der Logbuchführung besprochen. Und natürlich bleibt noch viel Platz für Fragen und Repetition.


hoz logoDiese Artikelreihe beschreibt übrigens einen Hochseescheinkurs, den ich selbst für die bekannte Schweizer Bootsfahrschule „HOZ – Das Hochseezentrum“ als HOZ-Abendkurs-Referent in der Region Bern geben darf.

Wenn Sie sich also für eine solide Hochseeschein-Ausbildung interessieren, erfahren Sie in den folgenden Berichten genau was Sie bei einem HOZ-Hochseescheinkurs erwartet. Wer weiss, vielleicht treffen wir uns dann sogar im Kurs…

Besonderer Dank geht an den CEO der HOZ, Christoph Winterhalter, für die freundliche Genehmigung zur Übernahme und Verwendung einzelner Grafiken, Aufgaben und Darstellungen aus den Original-Schulungsunterlagen.

Direktlink zum Anbieter:

Illustrationen:
Wetterkarte: Markus Aebischer/MeteoSchweiz.ch Lizenz: CC Attribution-Share Alike 2.5 Switzerland
Aufbau der Atmosphäre: Atmosphäre Stufen“ von Niko Lang (original image), Ladyt (vector version)
Thermische Winde: Jesús Gómez Fernández, Wikimedia Commons
Foto Kaltfront: By Arnold Paul (Self-photographed) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons
Drehrichtungen Hoch- und Tiefdruckgebiete: By Wesn (Own work) [CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

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