« Interessanter Artikel über das Drei-Seen-Land in der NZZ online. | Home | Blauwasser: Im Reich des Alchemisten. »
Ruhig Schlafen im Golf von Fethiye: Tipps zum Ankern mit Landleine.
Von Siteskipper | 16.Oktober 2007 | Trackback
Du erfährst auf der folgenden Seite einiges über die Gründe zum Ankern mit der Landleine, den Vorzügen die dieses Ankerverfahren grade in Gebieten wie dem Golf von Fethiye oder der Südtürkei überhaupt bietet und natürlich auch wie man sich das Leben beim Ankern mit der Landleine leichter macht als der Nachbarlieger
Südtürkei: Der Golf von Fethiye – Ein tolles Segelrevier mit Eigenheiten.
Im Herbst 2006 fuhren wir einen -sehr gemütlichen- HOZ-Törn von Marmaris aus mit einer Bavaria 46 Cruiser und insgesamt 4 Personen in Richtung Golf von Fethiye.
Zum Glück waren keine Meilenaspiranten oder “Hochleistungs- Marathonsegler” an Bord und so konnten wir tun, was diesem wundervollen Revier am ehesten gerecht wird: Geniessen!
Das strahlend blaue, warme Wasser, die exzellente Küche und natürlich die unzähligen Buchten.
Zu diesem unglaublichen Revier schreibe ich zu einem späteren Zeitpunkt sicher noch mehr.
Wer es nicht erwarten kann, meine Ergüsse zu lesen klickt hier: Der Insider gibt Segeltipps und Revierinformationen.
Wir verbrachten die meisten Nächte “draussen” in irgendeiner Bucht. Das bedeutete natürlich auch, auf die relative Sicherheit einer Marina zu verzichten und dem Grundeisen zu vertrauen. Das fällt mitunter gar nicht so leicht.
Denn an der Südtürkischen Küste fällt der Meeresgrund sehr steil ab – So steil, das wir es nach einer Zeit schon akzeptabel fanden, wenn in 2-3 facher Schiffslänge Entfernung zum Ufer 15 – 20 Meter Wassertiefe auf dem Echolot standen.
Eine solche Unterwassertopografie macht ein freies Ankern natürlich unmöglich. Um also trotzdem vor Anker die Nacht einigermassen sicher zu verbringen, müssen vom Heck aus Landleinen ausgebracht werden, die die Yacht in Ihrer Lage quasi fixieren um ein Schwojen um den Anker herum zu verhindern. Denn würde die Yacht schwojen, würde der Anker unweigerlich ausbrechen und das Boot auf Drift gehen.
Die nebenstehende Grafik (Klick zum Vergrössern) zeigt, das bei ausgebrachter Landleine der waagerechte Zug auf den Anker gewährleistet ist. Trotz steil abfallendem Ufer. Deswegen zeigen die Ankerketten der Gulets z.B. auch gerne bolzengrade nach unten und sind gespannt wie eine Gitarrensaite. Der Anker liegt aber auf dem Meeresgrund so, wie wir es aus den Büchern kennen, nur halt in der schiefen Ebene.
Würde die Yacht jetzt schwojen, wäre plötzlich vom Anker aus gesehen rechtwinklig nach oben weisender Zug auf dem Ankergeschirr:
Der Anker würde ausbrechen.
Die nebenstehende Grafik verdeutlicht die Richtung der auf den Anker wirkenden Kräfte.
Als Skipper mit etwas Erfahrung im Ankern, wirst du wahrsscheinlich schon gesehen haben, welche Voraussetzung bei dieser Art zu ankern ebenfals noch erfüllt sein muss: Du brauchst Kette, Kette und nochmals Kette.
Um wirklich ruhig zu liegen, sollte auf Deiner Yacht mindestens 70 Meter Kette im Ankerkasten liegen. Wenn mehr: Noch besser! Wir hatten etwas weniger an Bord und warfen immer alles in den Teich. In einigen Buchten langte das nicht und wir mussten mit dem Dinghi einen Zweitanker ausbringen.
Um das Manöver ruhig und sicher fahren zu können, solltest Du Deinen Ankerplatz gut auswählen. Es lohnt sich, in der selben Bucht ein paar Runden zu drehen und sich die Wassertiefen anzusehen. Fast überall gibt es Ecken, die nicht ganz soooo steil abfallen und von daher etwas besser geeignet erscheinen.
By the Way:
Liegen schon Gulets (türkische Holzschiffe) in der Bucht, schau unbedingt auch, welches Publikum sich auf diesen ach so romantischen Dingern tummelt.
Ältere Leute sind ein sicheres Zeichen für eine “blaue Reise”. Kein Problem. Da brummelt nur der Stromerzeuger bis Mitternacht.
Dicht an Dicht gedrängte, biertrinkende Engländer auf einer mehrstöckigen Gulet mit aussen angebrachter Wasserrutsche versprechen hingegen Spass bin in die Morgenstunden. Du wirst nach dieser Nacht die neuesten Clubhits aus Manchester mitsingen können…
Hast Du schliesslich “den” Ankerplatz gefunden, sollte bereits ein Leinenmann in Badehose parat stehen.
Bei der von Dir angepeilten Wassertiefe lässt Du die Kette ausrauschen und betätigst die Kettenbremse erst auf den letzten Metern.
Wenn das Schiff deutlich in die Kette einruckt, gibst Du achterlich etwas mehr Schub um den Anker einzufahren. Alles klar? Gut, dann kann der Leinenmann springen.
Ein Leinenende belegst Du vorher auf der luvseitigen Klampe und mit dem restlichen Tau springt der Leinenmann ins Wasser und versucht das Ufer zu erreichen, bevor Du entweder völlig vertrieben bist (keine Fahrt im Schiff, gell…) oder die Leine soviel Wasser aufgenommen hat, das Dein Leinenmann Gefahr läuft zu ertrinken. Der Vorteil dieser Methode ist auch, das Du das kurze Ende der Leine an Bord hast. Dann kommt später erst gar keine Versuchung auf, an der liegenden Landleine irgendwelche Korrekturen vorzunehmen…
Dieses zuvor beschriebene Verfahren ist -leider- das Standardverfahren vieler unerfahrener Chartercrews.
Dabei heraus kommt neben viel Geschrei in der Bucht meist nur eine unbeschreibliche Hektik. Die Leine treibt dann meist noch im Wasser rum, wenn der Rudergänger versucht mit ordentlich “Gas” das Boot auf der Stelle zu halten…
Was passieren kann, wenn dann noch die Leine in die Schraube gerät, kann sich jeder selbst ausmalen.
Zum Glück kann man das Ganze aber auch entspannter und deutlich Professioneller angehen.
Auf unserem Törn nannten wir das “die Dinghi-Nummer machen” und wenn man unser Dinghi kennt, weiss man auch warum. Das Teil war nur rückwärts einigermassen auf Kurs zu halten und reagierte ziemlich bockig auf Manipulationsversuche am Gasgriff. Einmal gelang es “Dinghi” sogar den Skipper abzuwerfen, aber das ist eine andere Geschichte..
Hier nun also die von uns herausgefundene und als “tauglich” eingestufte Methode zum Ankern mit einer Landleine:
Analog zum oben beschriebenen Standardverfahren fahren wir auch hier ein paar Kreise in der Bucht und suchen uns eine schöne und taugliche Stelle für unseren Anker und die Yacht. Habe wir diese nun gefunden, definieren wir den Punkt, auf dem wir später mal unser Boot parken wollen. Dann gurken wir wieder ganz gemütlich auf eine Art Parkposition in der Bucht und klarieren das Dinghi. Mit diesem setzt dann der Leinenmann mit den Landleinen über un befestigt die Landleine so an Land, das wir diese später Luvseitig aufnehmen können. Dann fährt der Leinenmann mit dem losen Leinenende los und erwartet das Heck der Yacht in etwa dort, wo wir unsere spätere Parkposition einnehmen möchten.
Das Team auf der Yacht fährt nun Stresslos das Ankermanöver. Ca. 2 Yachtlängen (Wassertiefe?) vor der Parkposition die Kette rasch, aber gefühlvoll auslaufen lassen. Dabei mit Hilfe der Kettenbremse verhindern, das sich ein Kettenknäul auf dem Anker bilden kann. Ca. 2-3 Meter vor Ende der Kette die Kettenbremse fest, währenddessen läuft das Schiff immer noch langsam rückwärts. Niemals die Fahrt vollständig verlieren – Du bist sonst sofort Manöverierunfähig.
Bei Erreichen der Parkposition übergibt der Leinenmann die Landleine. Diese wird über eine Klampe genommen und behutsam dichtgeholt und noch nicht belegt. Der Ankermann nimmt jetzt mit der Ankerwinsch die Kette dicht und spannt die Kette. Mit Rückwärtsschub wird der Anker jetzt behutsam einfahren.
Hält der Anker? Gut! Landleine fest und Maschine aus.
Ruckelt es an der Kette? Schlecht! Landleine lösen, dem Dingimann übergeben und Ankermanöver neu fahren.
Auf keine Fall glauben, das es schon irgendwie geht! Gegen Abend setzen gerne kurze und heftige Fallböen der Idylle ein kurzzeitiges Ende und Dein Heck ist meist nur ein paar Meter vom Fels entfernt.
Ich bin ein Anker-Sicherheits-Fan. (Gell Alex!?) Daher empfehle ich zusätzlich noch das Ausbringen eines Zweitankers mit dem Dinghi. Die Zweitanker auf Charterbooten haben meist nur einen mittelkurzen Kettenvorlauf – Das kann man mit einem Dingi gut machen.
Mit einem zweiten Anker im Grund schläft es sich einfach ruhiger. Muss man aber nächtens schnell Ankerauf, muss man mit dem Mehraufwand des zweiten Geschirrs klarkommen. Deswegen müssen das Verhalten und Positionen bei einem schnellen Ankerauf – Manöver unbedingt noch vor dem Ankerschluck gebrieft werden. Im Herbst kommt es in der Türkei gern mal zu plötzlichen, lokalen und heftigen, Südwinden die ein schnelles Manöver nötig machen können.
Ich wünsche viel Spass beim Ausprobieren.
Lasst Euch einfach nicht stressen.
Wenn ein Anker-Manöver dreimal gefahren werden muss, dann wird es halt dreimal gefahren.
Auch wenn der Dinghimann ungeduldig an sein Bier will.
Rubriken: Blauwasser, Zugeschaut und Mitgebaut | 2 Kommentare » Trackback



17.Oktober 2007 at 08:01
Hallo Uwe
uebrigens … ich bin in einen grässlichen sturm geraten zwischen göcek und marmaris mit windgeschwindigkeiten von 55 knoten (10-11 bf)!! 3 stunden vor ausbruch des sturms habe ich wetterberichte abgerufen und keine meldung gefunden. auch das barometer hat sich keinen mucks bewegt. von 8 kn ist der wind, wie wenn man einen hebel umlegt, auf 55 kn hochgefahren. dummerweise waren beim butterfly die tücher noch voll ausgefahren. ich kann dir ja dann erzählen wie ich’s mit guido hingekriegt habe die yacht unversehrt nach marmaris zu schaukeln, aber ich sag dir … ich bin dem sensemann von der sichel gesprungen. ob es anderen yachten auch gereicht hat, weiss ich nicht, aber die mayday-mayday schreie am funk habe ich noch im ohr.
gruess und bis bald wieder
Alex
3.Februar 2010 at 19:17
[...] das Ankern mit Landleine an der türkischen Küste habe ich bereits berichtet. Hier geht’s zum [...]