Segelschein in der Schweiz: Gilt der auch in Deutschland?

Immer wieder kommt es bei Wassersportlern, die in die Schweiz ziehen, zu der Frage was denn nun mit Ihren in Deutschland oder sonstwo erworbenen Boots-Führerscheinen passiert:
Behalten diese Dokumente in der Schweiz Ihre Gültigkeit oder muss man, um seinem Hobby weiter nachgehen zu können, die ganze Prüfungs-Prozedur nochmals durchlaufen!?

Meine Bootsführerscheine

Auch anders herum ist die Fragestellung interessant: Was passiert mit meinem in der Schweiz erworbenen D-Schein (A-Schein, B-Schein), wenn ich im Ausland segeln möchte?
Wird der eidgenössische Führerausweis für Segel- und Motorboote im (europäischen) Ausland anerkannt?

Ich versuche im Folgenden etwas Licht in die Materie zu werfen …

Wie bei fast allen administrativen Fragen gilt aufgrund der ausgeprägt förderalistischen Strukturen besonders in der Schweiz: Eine endgültige Auskunft bezüglich der Gültigkeit Ihres Führerscheines in der Schweiz gibt Ihnen jederzeit gern das für Ihr Gewässer zuständige Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons, in dem Sie segeln möchten.

Jetzt müssen Sie aber nicht gleich zur Schweizerischen Landkarte laufen und nachsehen, wo Sie anrufen müssen. Denn für einen gewöhnlichen Ferienaufenthalt haben Sie mit Ihrem deutschen Bootsführerschein kein Problem, damit können Sie in der Schweiz Ihr Boot in den See setzen und Ihre Ferien auf eigenem Kiel geniessen.

Wenn Sie ein Boot auf einem der schönen Schweizer Seen chartern möchten, kommt es im Prinzip nur auf den Goodwill des Vercharterers an, ob Ihnen dieser sein Boot anvertraut, wenn Sie mit dem deutschen SFB-Binnen kommen.
In der Regel sollten Sie aber keine Probleme haben, in der Schweiz ein Boot zu chartern. Obwohl sich wahrscheinlich bei den schweizerischen Bootsvermietern herumgesprochen hat, welch mindere Qualität die deutsche Praxisprüfung für den SBF-Binnen (Maschine) hat 😉

Fragen Sie einfach bei der Buchung nach. Übrigens können Sie in der Schweiz Motoren bis 8 PS Führerscheinfrei fahren.

Kommen Sie in die Schweiz um hier zu leben und zu arbeiten, verändert sich die Lage deutlich:
Bleiben Sie weniger als 12 Monate in der Schweiz, können Sie Ihre Führerscheine in aller Regel behalten und benutzen. Nach der Frist von 12 Monaten müssen Sie Ihren nationalen Führerschein in einen schweizerischen Führerausweis umtauschen. Dabei gilt es bestimmte Regeln zu beachten:

Art. 91a Abs. 5 Verordnung über die Schifffahrt auf schweizerischen Gewässern besagt: (….) Im Ausland erworbene Ausweise von Personen mit Wohnsitz in der Schweiz können (…) anerkannt werden, wenn der Erwerb während eines Aufenthaltes von mindestens zwölf zusammenhängenden Monaten im Ausstellerstaat erfolgte (….)

Reisen Sie also aus Deutschland in die Schweiz ein und haben vorher länger als ein Jahr zusammenhängend in Deutschland gewohnt, können Sie Ihren SBF-Binnen in das entsprechende CH-Pendant umschreiben lassen und haben damit viel Geld gespart. Denn der Motorboot-Führerschein ist in der Schweiz gefühlt um den Faktor 10 teuerer als in Deutschland.

Das oben geschriebene gilt auch für Bürger der an die Schweiz angrenzenden Staaten, also Frankreich, Italien und Österreich, sofern diese Staaten den Bürgern der Schweiz ein Gegenrecht einräumen.

Wenn Sie das alles nochmals in Beamtendeutsch lesen möchten, finden Sie im Rundschreiben 43 des BAV (Bundesamtes für Verkehr) dazu Gelegenheit:

Was gilt aber, wenn Sie in der Schweiz wohnen und mit Ihrem schweizerischen Schiffsführerausweis in Deutschland Ferien machen möchten?
Kurz gesagt: Kein Problem. Da die Schweiz die internationalen Führerscheine auf der Basis des „Gegenrechts“ anerkennt, gelten die o.g. Regeln prinzipiell auch in Deutschland. Ich hatte auch bislang noch keine Probleme in Deutschland ein Segelboot für meine Binnentörns in Brandenburg zu chartern, auf Vorlage meines D-Scheins wurden mir bislang die gewünschten Boote ohne grosse Nachfragen ausgehändigt. Bei einer evtl. Kontrolle durch die Wasserschutzpolizei würde ich aber meine Niederlassungsbewilligung für die Schweiz als Wohnsitznachweis mitführen, da man sich als Deutscher mit ausländischem Führerschein bei einer Kontrolle in Deutschland wohl etwas verdächtig machen wird.

Die Umschreibung des schweizerischen Führerausweises schliesslich in ein deutsches Dokument ist ebenfalls möglich.

Auch hier gilt prinzipiell das „Gegenrecht“, allerdings sollten Sie gegebenenfalls ein wenig Nerven mitbringen. Denn wenn Sie das Rundschreiben des BAV weiter oben gelesen haben und das, was Sie dort gelesen haben, als Beamtendeutsch empfunden haben, wird Ihnen der Stil der deutschen Verordnungen schlicht den Atem rauben. Z.B. schreibt die „Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes“ zum Thema „Erteilung einer Fahrerlaubnis ohne Prüfung“ – Und dabei handelt es sich bei einem Eintausch – folgenden tollen Satz:

Gegen Vorlage eines der in § 3 Absatz 3 genannten Befähigungsnachweise wird dem Inhaber auf Antrag ohne Ablegung einer Prüfung eine Fahrerlaubnis erteilt und ein Sportbootführerschein-Binnen ausgestellt, sofern die Voraussetzungen des § 5 Absatz 1 Nummer 1 bis 3 vorliegen. Gegen Vorlage eines der in § 3 Absatz 2 und § 4 genannten Befähigungsnachweise wird dem Inhaber auf Antrag ein Sportbootführerschein-Binnen für die jeweilige Antriebsart ausgestellt.

Der genannte Paragraph 3 regelt die „Ausnahmen“ von der Regel.

Absatz 3 besagt:

Der für die Fahrerlaubnis nach dieser Verordnung erforderliche Befähigungsnachweis gilt als erbracht für die

  1. Inhaber eines im Geltungsbereich dieser Verordnung nach anderen Vorschriften erteilten amtlichen Befähigungsnachweises zum Führen eines Fahrzeugs mit Antriebsmaschine oder unter Segel auf Binnengewässern außerhalb der Seeschifffahrtsstraßen für die jeweilige Antriebsart, soweit das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung diesen als Befähigungsnachweis anerkannt hat;

  2. eines Schifferpatents für den Bodensee der Kategorien A und D für die jeweilige Antriebsart;

Tipp: Wenn Sie jetzt nicht weiter in den Gesetzen und Verordnungen weiter wühlen wollen reicht Ihnen als Argumentatomium i.d.R. bereits lit b., denn das Bodensee-Schifferpatent ist in allen schweizerischen Führerausweisen inbegriffen und wird auch geprüft.
Damit sind Sie also de facto bereits aus dem Schneider, was die Anerkennung Ihres Binnen-Führerausweises angeht.

Das ganze Werk finden Sie übrigens hier:

Viel Spass beim Lesen!

In der Praxis werden die in der Schweiz erworbenen Schifffahrts-Führerscheine auch ohne Probleme anerkannt.

Leider gilt das aber nicht für den B-Schein, den Hochseeschein der Schweiz.
Die deutschen Verbände DSV und DMYV lassen sich vom deutlich einfacheren Scheinwesen der Schweiz nicht in die profitable Suppe spucken und schreiben den schweizerischen B-Schein i.a.R. nicht in ein deutsches Pendant um.

Denn im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz nur einen einzigen Fähigkeitsnachweis, der aber eine recht anspruchsvolle Ausbildung voraussetzt und von der Prüfung her sicher nicht „ohne“ ist. In Deutschland gibt es neben den vorgeschriebenen Führerscheinen noch ein Füllhorn von „empfohlenen“ Führerausweisen, die neben der sicherlich gegebenen Qualität der Ausbildung auch den Segelschulen und Verbänden ein gutes Auskommen garantieren und ganz nebenbei auch die Profilneurosen so manch Hobbyskippers prima befriedigen.

Der Schweizerische Hochseeausweis muss aber nicht umgeschrieben werden, da dieser ein „International Certificate for Operators of Pleasure Craft“ enthält, dass nicht nur vom zuständigen Flaggenstaat, sondern auch von allen Unterzeichnerstaaten der Resolution Nr. 40 vollumfänglich anerkannt wird. Der Hochseeschein ist daher ein echt internationales Dokument.

Das Swiss Certificate of Competence for Ocean Yachting und das ICC

Einige Verwirrung stiftete die 2014 stillschweigend erfolgte „Entfernung“ des International Certificates nach UN Resolution 20 aus dem Schweizer Hochseeausweis und die damit einhergehende Umbenennung desselben.
Bei vielen am Hochseesegeln interessierten Wassersportlern keimte die Befürchtung, dass der CH-Ausweis plötzlich nicht mehr zum Chartern anerkannt wird oder auf Yachten unter „fremder“ Flagge nicht mehr gilt.

Diese Befürchtung ist aber unbegründet!

Die Befähigungsberechtigung des Schweizer Hochseeausweises geht weit über die Berechtigungen des ICC hinaus, welches lediglich als Erweiterung eines Binnenscheines (!) im nahen Küstenbereich gültig ist. Das ICC entspricht daher de facto von den Fahrtberechtigungen her dem deutschen Sportbootführerschein See und ist auch z.B. in diesem enthalten. Alle höheren Ausweise in Deutschland wie SKS, SSS u.s.w. erweitern die Fahrtberechtigungen über das ICC hinaus.

Der Schweizer Hochseeausweis berechtigt aber zur weltweiten Fahrt und entspricht von den reinen Berechtigungen her in etwa dem deutschen SHS (Vgl: https://www.dhh.de/segelschein.html#c6874).

Da in der Schweiz beim Erwerb des Hochseeausweises eine entsprechende nautische Grundbildung in Form eines Binnenscheines vorgelegt werden muss, kann man bei dem für sich zuständigen Strassenverkehrs- und Schiffahrtsamt ein „Internationales Zertifikat für Führer von Sport- und Freizeitschiffen“ ausstellen lassen, das in zwei verschiedenen Fahrtgebieten ausgestellt werden kann. Bei Vorlage eines Schweizer Hochseeausweises müssen die Schiffahrtsämter aufgrund eines Rundschreibens vom Bundesamt für Verkehr das ICC unter Einschluss der Küstengewässer ausstellen.

Mehr hierzu: Binnenschifffahrtsverordnung, Artikel 90 und 91 sowie Anhang 6.

Also: Alles kein Problem!
Als nationaler, amtlicher Führerausweis ist der Hochseeausweis auch mit dem aktuell „komischen Namen“ überall gültig und wird auch anerkannt.

Ich hoffe mit diesem kurzen Abriss die behördliche Scheinwelt einigermassen gut erklärt zu haben. Selbstverständlich auch hier der Disclaimer: Dieser Artikel stellt in keiner Art und Weise eine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder ähnliches dar sondern spiegelt lediglich die Meinung und den Kenntnisstand des Autors wieder. Ich übernehme keine Haftung für irgendwelche Schäden, die aus der blinden Befolgung meiner Ratschläge oder Informationen entstehen. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an eine Auskunftsperson, die dazu bevollmächtigt ist.

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54 Antworten auf “Segelschein in der Schweiz: Gilt der auch in Deutschland?”

  1. 15. August 2018 at 09:04 #

    Hi Jana,
    wenn Du bereits in der Schweiz angemeldet bist und eine Niederlasungs- oder Aufenthaltsbewilligung hast, kannst Du das Vorhaben meiner Meinung nach leider zu den Akten legen.
    Denn Du musst Deinen SFB Binnen in DE gemacht haben, bevor Du in die Schweiz gezogen bist. Oder während eines mindestens 12 monatigen Aufenthalts in DE während dessen Du die CH verlassen hattest.
    Solltest Du noch keine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung haben und bereits seit 2017 hier in CH einen Aufenthalt haben, sage ich jetzt lieber nichts mehr dazu.
    Denn dann hast Du (und auch die dich beherbergende Person) gegen diverse Vorschriften verstossen, deren Entdeckung durch die hiesigen Behörden ziemlich weh tun kann…
    Viele Grüsse
    Uwe

  2. Manuel
    15. August 2018 at 10:03 #

    Hallo Jana

    ich bin seit Jan/2013 in der Schweiz und hatte bis zu diesem Zeitpunkt keinen Segel- oder Motorbootschein. Angemeldet habe ich mich am Tag meiner „Einreise“ und dazu wird ja die Abmeldebescheinigung aus GER benötigt. Dies ist aber eine anderes Thema.

    Zu deiner Frage betreffend dem SBF Binnen/See so ist meine Erfahrung wie folgt:

    Solange du die deutsche Staatsbürgerschaft hast kannst du jederzeit den SBF Binnen/See in Deutschland machen (ich habe dieses erfolgreich so durchgeführt). Allerdings wird dieser dann NICHT in der Schweiz anerkannt, wenn du ihn umschreiben möchtest (wie Uwe bereits geschrieben hat betreffend der 6 oder 12-Monats Regelung).

    In meinem Fall ist es so das mein primärer Fokus auf Yachtcharter liegt ausserhalb CH (z.B Kroatien, Italien etc.) und hierzu kommst du jederzeit mit dem SBF BINNEN und/oder SEE gut voran.

    Falls du aber gerne innerhalb der CH Segeln und/oder Motoren möchtest, so bleibt dir nichts anderes übrig als den D-Schein und/oder A-Schein in der Schweiz zu machen. Diese beiden Scheine sind aber keine so grosse Bürde; daher habe ich den D-Schein zum Segeln auf CH Binnengewässern auch gemacht.

    Notiz: Die Erfahrung die ich gemacht habe ist das in der Schweiz ein grosser Wert auf die praktische Ausbildung gelegt wird. Die Ausbildung in GER ist hier etwas relaxter. Falls du also bisher kaum Berührungspunkte mit einem Boot hattest, dann ist es eine Überlegung den/die Schein(e) in der Schweiz zu machen.

    Als Vergleich SBF See in GER: ca. 4h praktische Einweisung mit üben von verschiedenen Manövern mit anschliessender Prüfung ca. 0.5h (Knoten, MOB, Anlegen oder Ablegen).

    D-Schein in CH: Segelausbildung mit Segellehrer (mehrere Stunden verteilt auf mehrere Tage, ca. 20h); 1/1.5-stündige Prüfung mit MOB Manöver, Kurse fahren, Segel setzen und bergen, Ablegen, Anlegen, Vertäuen. Für mich war das aber sehr hilfreich und lehrreich.

    PS: Lob an Uwe auch von meiner Seite für diese Homepage.

    Grüsse,
    Manuel

  3. Jan
    12. Oktober 2018 at 15:48 #

    Hallo,

    ich konnte meinen deutsch SBF Binnen unter Segel und Motor problemlos in das schweizer Pendant umschreiben lassen.
    Ist es auch möglich den SKS in den Hochseeschein umschreiben zu lassen, ohne mich erneut einer Prüfung zu unterziehen?
    Bringt mit das überhaupt was?

    Danke und viele Grüsse
    Jan

  4. 13. Oktober 2018 at 11:14 #

    Hallo Jan,

    es ist nicht möglich, irgendeinen außerhalb der Schweiz erworbenen Bootsführerausweis in einen Hochessausweis umschreiben zu lassen, zumal auch der SKS von der Definition des Fahrtgebietes vom Hochseeausweis deutlich abweicht.
    Aber als deutscher Staatsbürger wird meiner Meinung nach Dein SKS auch weiterhin überall anerkannt werden, der Hochseeausweis wäre hier lediglich als Erweiterung des Fahrtgebietes zu sehen.

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