Ein Segeltörn vor der Süd-Bretagne, durch die Baie de Quiberon nach Belle-Ille in das Glénan Archipel.

An Anfang stand die Herausforderung: Ein Gezeitentörn war gefragt, aber bitte vom Wetter her nicht so kühl. Etwas Sonne wäre auch nicht schlecht. Dazu dürfte kulinarisch und kulturell auch etwas geboten werden und die Anreise sollte auch nicht um die halbe Welt gehen.

Da war ich als Skipper doch schon mal ganz schön gefordert. Klar, bei dem Stichwort „Gezeiten“ fällt einem zunächst mal das tolle, aber auch etwas rauhe Revier vor Saint-Malo und zwischen den Kanalinseln ein. Haarscharf in der Zugbahn der nordatlantischen Störungen gelegen wird es dort aber leider auch im Frühsommer schon gern mal etwas kühler und nasser. Dieses an sich tolle Revier fiel also aus.

Vor Anker im Archipel der Glénans - Eine unwirkliche Inselwelt, die am Abend eine gradezu mystische Atmosphäre ausstrahlt.

Nach einigem hin und her überlegen erinnerte ich mich an den netten Kontakt mit Wilfried Krusekopf, über den sich vor Jahren mal die Möglichkeit für einen fantastischen Segeltörn in der Nordbretagne ergab.

Sein Tipp damals für entspannte Gezeitentörns mit quasi einer „Schönwetter-Garantie“ war die südliche Bretagne, das Seegebiet zwischen der Pointe du Raz im Norden und Saint-Nazaire an der Mündung der schönen Loire. Ein paar Recherchen und Mails an die Crew stand es dann fest: Wir fahren nach Frankreich, die Küsten der Südbretagne wollen erkundet werden.

In die Heimat der Segelhelden: La-Trinité-sur-Mer.

Eine Alubat Ovni 395 - Unsere Ster-Vraz

Auf der Suche nach einer Yacht vom Typ „Alubat Ovni„, einer für dieses Segelrevier besonders gut geeigneten französischen Yacht, wurde ich wie gewohnt kompetent und freundlich vom Hamburger Scansail-Team um Jochen Eschenburg unterstützt. Denn ein Boot dieses Typs zu finden und dann direkt vor Ort zu chartern war nicht nur sehr schwierig sondern überforderte meine rudimentären Französischkenntnisse doch etwas.

Die netten Leute von Scansail fanden „unsere“ Ovni dann auch schnell bei Alternative Sailing in La-Trinité-sur-Mer.

Dieser Hafen ist eine bekannte Basis für die „ganz grossen“ Regattayachten und Katamarane sowie deren Besatzungen. Wahrscheinlich kommt man diesen Profis auch nirgendwo näher, denn als Gastlieger macht man inmitten dieser Szenerie fest. Der Gästesteg ist auch der Liegeplatz dieser Renngeräte. Fantastisch!

Zur Törnvorbereitung besorgte ich mir dann noch zwei Revierführer, den „Almanach Breton„, das kompaktere der beiden französischen nautischen Standardwerke.

Der an Bord aller Charteryachten meist vorhandene „Bloc Marine“ ist sehr unhandlich und trägt vor allem im Gepäck sehr schwer auf.

Törnführer deutsch Süd-BretagneSeit 2016 gibt es endlich auch einen deutschsprachigen Revierführer von Ralf Paschold, der die Süd-Bretagne als Segelrevier sehr genau beschreibt und sich unterwegs als absolut praxistauglich erwiesen hat. Es erscheint im Selbstverlag und kann z.B. über die Seite von W. Krusekopf bezogen werden.
Meine absolute Empfehlung, wenn Du dort segeln möchtest!

Die Anreise nach La-Trinité ist recht einfach: Entweder in wenigen Stunden über Paris mit dem TGV oder per Flugzeug mit HOP!, der Regionalflugline der Air France, über Paris Orly nach Lorient und von dort in ca. 40 Minuten mit dem Taxi an den Steg.
Auch eine Anreise mit dem Auto ist relativ einfach möglich, kam für unsere Crew nach einigem Überlegen nicht in Frage.

Der ...Besuchersteg... in La Trinite

Am Freitag, den 16.06.2017 war es gegen Abend schliesslich so weit. Wir konnten „unsere“ Ovni 395 mit dem Namen „Ster Vraz“ am Steg von Alternative Sailing übernehmen.

Ein echtes „Franzosen-Boot“ in seinem ursprünglichen Habitat – Da kam schon im Vorfeld so etwas wie Weltumsegler-Feeling auf. An den Davits baumelte das Beiboot, auf dem Geräteträger eine üppig dimensionierte Solaranlage und alle Beschläge und Einbauten machten einen sehr soliden und gut verarbeiteten Eindruck. Das man mit dieser tollen Yacht auch noch dank dem variablen Tiefgang trockenfallen konnte, war ein echtes I-Tüpfelchen. Hoffentlich würde sich diese Gelegenheit ergeben…

Leinen Los in La Trinite. Da die Charter an der französischen Küste anscheinend vielfach von Samstag Morgen bis Freitag Abend laufen, konnten wir an dem Abend noch gemütlich bunkern, das Boot und die nähere Umgebung des Hafens Kennenlernen.

Am späteren Abend sanken wir dann das erste mal in die komfortablen Kojen an Bord unserer Yacht, die für die nächste Woche unser schwimmendes Daheim sein sollte.

Welche Abenteuer wird uns die südliche Bretagne bereithalten?

Von La-Trinité-sur-Mer nach Le Palais auf Belle-Île.

Der erste Törntag steht immer im Zeichen der Sicherheitseinweisung und dem Kennenlernen der Yacht.
Deswegen laufen wir am ersten Tag auf Törn auch meist etwas später aus dem Hafen aus. Wir begannen mit dem zweiten Teil der Sicherheitseinweisung nach dem Frühstück um 10:00 Uhr mit dem Ziel den Hafen gegen 12:00 Uhr verlassen zu können. Einige Teile der Sicherheitseinweisung, wie z.B. die Standorte und die Verwendung der Signalmittel und der Feuerlöscher sowie die Handhabung der Gasanlage, hatten wir bereits am Vortag erledigt.

Aber wie es so ist, kommt meist etwas dazwischen. In unserem Fall gab es noch ein kleines Problem mit der Bordtoilette, das vom Basisteam erst nach der Mittagspause gefixt werden konnte.

Merke: In Frankreich sind die Mittagspausen heilig!

Gegen 15:30 schliesslich war es dann endlich soweit. Das Hochwasser war schon längst vorbei, die Tide fiel bereits wieder zünftig und gegen 17:30 Uhr sollte das Niedrigwasser mit 1,80 Meter und Koeffizient 50 relativ moderat auftreten. Aber unser Ziel, der Hafen von Le Palais auf der Insel Belle-Île war noch gut erreichbar. Lediglich das Fluttor zu den beiden hinteren Hafenbecken würde schon geschlossen sein, aber im Vorhafen sollte es eine Art Bojenfeld geben.

Also: Leinen los und Start ins Abenteuer Segeln in der Bretagne.

Phare de TeignouseGegen 18:00 Uhr, also kurz nach Niedrigwasser, hatten wir den Leuchtturm von La Teignouse bereits querab, mit grade noch leichter Unterstützung durch die aus der Bucht von Quiberon auslaufende Strömung kamen wir relativ flott voran und durchfuhren die gleichnamige Passage innerhalb des durch Seezeichen begrenzten Fahrwassers.

Nach der Passage konnten wir mit Kurs 220 gute zwei Stunden später in den Vorhafen von Le Palais einfahren.
Einige eindrückliche und wirklich schöne Seemeilen lagen nun schon im Kielwasser. Die Atmosphäre des Atlantiks hat seinen eigenen Reiz, ganz anders als die sonst gewöhnten Gefilde des Mittelmeeres beherrschen die nördlichen Farben das Spektrum, wogt der Atlantik spürbarer und ist die Weite irgendwie endloser.

Der Hafen von Le Palais

Der Hafen von Le Palais auf der Belle-Île bietet dem ankommenden Segler die Wahl aus vier Hafenbecken. Im ständig genug Wasser führenden Vorhafen kann man an Bojen festmachen, im eigentlichen Innen-Hafenbecken vor der Zitadelle auch trockenfallen. Und dann gibt es da noch die beiden durch eine Flut-Schleuse vor dem Trockenfallen geschützten Becken „Bassin du Flot“ in dem Besucher am Kai im Päckchen liegen sowie das „Bassin de la Saline“, das wenige Besucherplätze an Fingerstegen bereit hält. Wobei letztere  mindestens 24 Stunden vor Ankunft bei der Hafenverwaltung reserviert werden müssen.

Da wir etwas spät aus La Trinté wegkamen und wir zwei Stunden nach Niedrigwasser im Hafen von Le Palais ankamen, gingen wir im Vorhafen an die Boje. Dort lernten wir dann direkt kennen wie man in der Bretagne an der Boje festmacht, wenn es deutlich (!) mehr Yachten als verfügbare Bojen im Hafen gibt…

Bojensharing im Vorhafen von Le Palais.Der kenternden Strömungen wegen fixiert man sein Boot bei wenig Raum zum Schwojen nicht nur an einer Boje, sondern an jeweils zwei: Einer Heck- und einer Bugboje.
Kommen jetzt noch Boote hinzu, geht das nächste Boot bei der bereits an den Bojen liegenden Yacht längsseits ins Päckchen und macht seinerseits wieder mit Bug- und Heckleine an den beiden Bojen fest. Springleinen zum Nachbarlieger werden aber aus unerfindlichen Gründen meist nicht gelegt, so dass sich das ganze Päckchen sehr dynamisch bewegen kann.

So können durchaus bis zu 6 Boote an einem Bojenpaar liegen.

Langt das nicht, kann man auch z.B. seine Bugleine zu einer der Leitern an der Hafenmauer ausbringen und das Heck dann wieder an einer Boje festmachen, an der ja schon sechs Boote hängen. Klar, dass dann daneben auch noch einige Boote passen. Das Foto oben zeigt unsere „Heckboje“, ein Klick auf das Foto macht es übrigens gross.

An „unserer“ Boje zählten wir „nur“ acht Boote, was aber sicher daran lag, dass direkt neben unserem Liegeplatz der Manöverraum der fleissig verkehrenden Festlandsfähren begann.

Die Fähren nehmen übrigens beim abendlichen „Eindampfen“ in den Nachtliegeplatz keinerlei Rücksicht auf das „Päckchen“ aus ca. 20  Booten, dass sich direkt im Propwash befindet und in der Folge gnadenlos zusammengeschoben oder an die Hafenmauer gedrückt wird. Es gab an einigen Booten Schäden…

Sollte ich nochmals dorthin kommen, würde ich entweder einen Platz möglichst weit im Lee der Fähren suchen oder den Törnplan so ausrichten, dass man durch die Schleuse in den geschützten Innenhafen gelangt. Die Schleuse öffnet Montags bis Samstag zwischen 06:00 und 22:00 Uhr jeweils ungefähr 1,5 Stunden vor bis 2,5 Stunden nach Hochwasser, bei Nipptide sind die Öffnungszeiten kürzer und bei Springtide auch mal länger.

In Hafennähe fanden wir am Abend dann noch ein gemütliches und „echtes“ Restaurant, in dem wir den ersten echten Törntag gediegen ausklingen liessen.

Tagesweg: 20 Seemeilen

Ein paar Informationen zu Le Palais auf Belle-Île:

Ein Abstecher nach Port Tudy auf der Île de Groix

Das steinerne Gefahrenzeichen Birvideaux warnt mitten auf dem Meer vor einer Untiefe.

Pünktlich zum Hochwasser um de Mittagszeit waren wir bereit für die nächste Etappe unseres Segeltörns in der Südbretagne die uns zur ca. 25 Seemeilen entfernten Île de Groix führen sollte.

Nachdem sich das „Monster-Päckchen“ im Vorhafen von Le Palais langsam auflöste, lösten wir unsere Leinen erst gegen 13:00 Uhr – Schliesslich handelte es sich auch um einen Ferientörn. Da klar war, dass wir auch unseren anvisierten Zielort Port Tudy ungefähr bei Niedrigwasser erreichen würden, mussten wir keinen Stress aufkommen lassen. Auch in Port Tudy gibt es einen für eine Ovni bei Niedrigwasser jederzeit erreichbaren Vorhafen mit komfortablen Liegemöglichkeiten…

Bei einem Gezeitenkoeffizienten von lediglich 50 mussten wir uns allerdings über den Niedrigwasserstand keine Gedanken machen:
Die niedrigste Kartentiefe in der Einfahrt zum Hafen ist mit 1,5 Meter zwar schon ziemlich flach, da es sich bei den Kartentiefen aber um Angaben zum LAT handelt, also einem Koeffizienten von 120 entsprechend, konnten wir diesen 1,5 Metern noch einen Niedrigwasserstand von 1,78 zuschlagen. Das ergibt über 3 Meter zu erwartende Wassertiefe bei der Einfahrt: Port Tudy, wir kommen – und zwar mit gefiertem Kielschwert.

Der Vorhafen von Port TudyMeteo France prognostizierte für den Nachmittag laue 2-4 Beaufort aus nordöstlichen Richtungen, was für einen gemütlichen Halbwindkurs sprechen würde. Tatsächlich schlief der Wind aber einige Meilen nach Belle Île fast ein, so dass wir bis kurz vor die Île de Groix auf den Dieselwind zurückgreifen mussten.

Macht aber nichts, denn das fast vollständige Fehlen von Seegang und die mal wieder fantastische, maritime Umgebung inspirierte Bernhard zu einem sensationellem Salat Niçoise. Bernhards unvergleichlicher Salat Nicoise

Ein echtes kulinarisches Highlight der Bordküche, nicht nur auf diesem Törn!

Überhaupt bildete auch auf diesem Törn das Entdecken der örtlichen Küche einen Schwerpunkt, zumal Peter anfangs nicht so viel mit der französischen Küche anfangen konnte. Die Hoffnung besteht allerdings, dass wir hier missionarisch erfolgreich wirken konnten.

Kurz vor erreichen der Île de Groix frischte ein schöner, wahrscheinlich thermisch bedingter Nordwest auf, der uns die Segel nochmals setzen liess.
Die letzten Meilen legten wir mit schliesslich mit drehenden Winden zurück.

Gegen 18:30 Uhr machten wir bei Niedrigwasser am Kopf eines Schwimmstegs im Vorhafen von Port Tudy fest. Ein weiterer schöner Ort wollte erkundet werden.

Der Ort selbst bietet einige Restaurants und Gaststätten sowie kleine Läden, die wir jedoch geschlossen erlebten. Etwas ausserhalb des Ortes, in ca. 1 Kilometer Entfernung vom Hafen findet sich ein Intermarché, in dem man alles erhält was man benötigt. Im Hafen gibt es Fahrradverleiher, die aber bei unserem Besuch ebenfalls geschlossen hatten.

Einige Infos zu Port Tudy auf der Île de Groix:

Tagesweg: 26 Seemeilen

Das mystische Archipel de Glénans.

Morgens einen Kaffee und das Frühstück in einer kleinen Bar, dann noch ein paar Einkäufe zum nachbunkern im nahegelegenen Supermarkt. So startet man doch schon mal ganz gemütlich-bretonisch in den Tag.

Zum Glück ist der Gezeitenkoeffizient mit 55 immer noch recht niedrig und so konnten wir wieder mal ganz entspannt eine Stunde vor Hochwasser um 12:00 Uhr die Leinen in Port Tudy lösen.

Unser Ziel heute war das karibisch anmutende Archipel der Glénan-Inseln.
Eine Ansammlung kleiner und kleinster Inselchen auf engem Raum, mit flachem Wasser und vielen, steinigen Untiefen in den Durchfahrten.

Mit einer normalen Yacht wird von der Anfahrt ab einem Koeffizienten von 80 und darüber abgeraten – Zu flach wird dann das Wasser bei Ebbe an den Besucherbojen.

Mit unserem Boot wäre das aber auch dann wohl kein Problem gewesen, bei der nicht ganz trivialen Anfahrt hingegen ist etwas mehr Wasser unter dem Kiel eine echte Beruhigung.

Bei äusserst schwachen Winden, die wie von Meteo-France gemeldet, auch noch aus variablen Richtungen setzten, mussten wir komplett auf den Dieselwind setzen. Schade, aber auch stabile Hochdruckgebiete, in dessen Kern man sich grade befindet, haben ihre Vorteile. Ein nahezu wolkenloser Himmel, fantastische Fernsicht und kaum Seegang gehören dazu.

Nicht zu vergessen, die Delfinschulen, die uns zwischen der IÎle-de-Groix und den Glénans immer wieder begleiteten. Diese Tiere zu erleben erfreut immer wieder das Herz.

Von der Île de Groix kommend, nähert man sich den Glénan-Inseln aus südöstlicher Richtung mit Kurs von etwa 280 Grad.

Je nach Wasserstand und Alter der Gezeit gibt es mehrere Möglichkeiten um an das Bojenfeld südlich der Insel St. Nicolas zu gelangen, welches am meisten Schutz vor Schwell und Wetter bietet und auch den kürzesten Zugang zu den beiden Restaurants gewährleistet.

Aber Achtung! Zu Springzeiten ist die Wassertiefe auch im Bojenfeld für Kielyachten nicht ausreichend, es wird empfohlen dieses Bojenfeld zur Übernachtung nur bei einem Gezeitenkoeffizienten von 80 und darunter anzulaufen und die Hausaufgaben bei der Törnplanung und Ansteuerung gut erledigt zu haben…

Wir näherten uns den Glénan Inseln aus Süd-Osten und umrundeten den „Phare de Penfret“ mit etwas Abstand nördlich.
Die Insel Penfret selbst lässt man dann an Backbord liegen und schwenkt auf einen Kurs von 218°, der einen dann am LF Île Guéotec ebenfalls Bb vorbei direkt auf das Inselchen Brilimec zufahren lässt. Sobald man den Turm auf der Insel Cigogne auf 311° peilt, legt man diesen Kurs an. Hat man dann das rot-grüne Bojenpaar der Einfahrt zum Bojenfeld auf rwP 340°, kann man direkt auf die Einfahrt zuhalten und dann eine passende Boje für die Nacht auswählen.
Diese Ansteuerung entspricht der roten Linie auf dem Seekarten-Ausschnitt links oben.

Die Glénan-Inseln sind eine sehr gut besuchte und touristisch gut erschlossene Attraktion.

Sehr viele Boote liegen hier an den Bojen und mittels Ausflugsbooten herrscht ein emsiges kommen und gehen auf den Inseln. Einige Segelschulen sind hier beheimatet und so ist an diesem karibisch wirkenden Ort einiges los.

So viel, das sich die ansässigen Gastronomen anscheinend auch leisten können, einige Gäste so zu behandeln wie man es in Frankreich vor vielen Jahren gemacht hat: Durchaus etwas arrogant und ignorant. Wir zogen es daher vor, auf dieses Angebot zu verzichten und an Bord zu speisen.

Atmosphärisch sind die Glénan-Inseln ein absoluter Hot-Spot. Die Ansteuerung ist ein fantastisches Training der Lektionen „Peilen und Loten“ sowie „Gezeitenkunde“. Der Sonnenuntergang und das Ambiente ist spektakulär. Die Gastronomie und die Gastfreundschaft hinkt dort unser Meinung nach allerdings deutlich dem Anspruch hinterher. Schade. Die Empfehlung: Selber kochen und die Umgebung geniessen!

Der Sonnenaufgang ist dann genau so spektakulär wie der -Untergang nur wenige Stunden vorher:

Für uns hiess es am nächsten Morgen bereits früh aufstehen, damit wir mit genügend Wasser unter dem Kiel die nördliche Ausfahrt aus dem Archipel nutzen konnten (blaue Linie im Seekartenausschnitt) und um das Hochwasser herum unser nächstes Ziel erreichen konnten.

Denn für die kommende Nacht hiess unser Plan: Trockenfallen.

Infos zum Glénan Archipel:

Tagesweg: 27 Meilen

Delfine begleiten und nach Sauzon – Zurück nach Belle-Île.

Knapp 50 Seemeilen wollten heute zurückgelegt werden um den kleinen Hafen von Sauzon auf der schönen „Belle Île“ zu erreichen. Und diesmal sollten wir mit dem Hochwasser einlaufen um dann ganz entspannt im hinteren Bereich des dortigen Hafens an den Gästebojen trockenzufallen.

Mit ausreichend Wasser unter dem Kiel nahmen wir eine Abkürzung und verliessen das Bojenfeld am östlichen Ende des Inselchens Bananec nordwärts. Dabei passierten wir das Seezeichen bei La Pie östlich mit ziemlich genau nördlichem Kurs. Nachdem wir die „Pierre Noires“ genannten Felsen hinter uns gelassen hatten, konnten wir erst östlich, später dann südöstlich Belle Île direkt anlegen.

Leider waren auch für diesen Tag die Wettervorhersagen deutlich Hochdruckbestimmt. Keine nennenswerten Winde waren vorhergesagt, erst gegen Mittag schliesslich setzte aus Südwest so etwas wie Wind ein. Da wir gut in der Zeit lagen, konnten wir diesen nutzen um einige MOB und Standardmanöver zu üben.

Das fast völlige Fehlen des Windes wurde übrigens durch die relativ häufige Delfinbegleitung mehr als kompensiert. Hier mal ein kleines Beispiel einer neugierigen Delfinfamilie, die uns eine ganze Zeit lang begleitete und beobachtete:

Trockenfallen im Hafen von Sauzon auf Bell-Île

Pünktlich zum Hochwasser trafen wir im Hafen von Sauzon ein. Dieser gliedert sich in drei Teile, wovon nur das dem eigentlichen Hafenbecken vorgelagerte Bojenfeld für tiefgehende Yachten geeignet ist.

Hinter der ersten Hafenmauer, die den gröbsten Schwell abhält, findet sich der eine oder andere Platz für kleinere Yachten an Bojen. Nach der Durchfahrt zum hinteren Hafenbecken befindet man sich im bei Ebbe trocken fallenden Bereich des Hafens von Sauzon, an dessen östlicher Seite (also nach Einfahrt an Backbord) an einigen rote Besucherbojen festgemacht werden kann.

Auch hier werden Heck und Bugbojen verwendet, die Bojen-Paare sind jeweils durch Nummern gekennzeichnet.
Ein wenig sieht das von oben so aus wie auf einem Autoparkplatz:

Wir trafen also pünktlich zum Hochwasser im Hafen von Sauzon ein, suchten uns ein Bojenpaar im mittleren Bereich des Bojenfeldes aus, klappten das Ruder ein und zogen den Kiel ein und fuhren mit dem Dinghi erstmal an Land.

Das Apéro mit Austern und Weisswein stimmte uns schön auf den Abend ein.

Das erste Niedrigwasser langte dann aber noch nicht ganz zum Trockenfallen.
Bei einer Kartentiefe von -1.5 Metern im Hafenbereich und einem angekündigten Niedrigwasserstand von 1.35 Metern hätte es eigentlich bereits langen sollen, aber die Realität ist halt kein Lehrbuch, es blieben einige Zentimeter Wasser unter dem Kiel.

Der praktische Beweis für die Unzulänglichkeit der zentimetergenauen Tidenberechnungen war also schon mal erbracht.

Am nächsten Morgen schliesslich war es dann so weit. Der Gezeitenhub war weiter gestiegen, so dass sich das Wasser weiter zurückzog als am Vorabend. Gegen 09.30 Uhr konnten wir schliesslich in Gummistiefeln einmal um unser Boot herum laufen und das Unterschiff besichtigen.

Die Ovni kann aufgrund ihrer Konstruktion perfekt trockenfallen, man muss keine Wattstützen oder ähnliches ausbringen denn der Rumpf ist an der Unterseite völlig flach, das Kielschwert kann komplett eingezogen werden. Man sollte einfach nicht vergessen, auch das Ruder einzuklappen.

Gegen Mittag schwammen wir wieder perfekt an unseren Bojen und konnten das nächste Tagesziel anvisieren.

Einige Infos und Impressionen zu Sauzon auf Belle-Île:

Tagesweg 47 Meilen

Die Bucht von Quiberon: Couresty und Port Haliguen

Die beiden nächsten Tage verbrachten wir mit dem Erkunden der geschützten Bucht von Quiberon unter Segeln. Fantastischer Wind und eine leichte Dünung machten die beiden Tage zu einem echten Vergnügen.

Vor lauter Segeln verpassten wir dann auch am Mittwoch das Zeitfenster zum Passieren der Einfahrt in den Golfe du Morhiban und da wir dort gern über Nacht geblieben wären und wir unsere „Ster Vraz“ bereits am Freitag Mittag wieder abgeben mussten, machte uns die Tide einen Strich durch die Rechnung. Es gilt halt immer „Safety First“ und in ein unbekanntes Gebiet mit engen Passagen, Untiefen und heftigen Strömungen navigiere ich nicht so gern im Dunkeln. Dann halt beim nächsten Mal..

Die Baie de Quiberon bietet aber auch ohne Abstecher in das „kleine Meer“ viele Attraktionen, die man während in einem Wochentörn nur begrenzt erkunden kann.

Wir machten zuerst Halt im grossen Hafen von Crouesty, einer riesigen und langgezogenen Marina im Niemandsland direkt am Tor zum Golfe du Morbihan.

Mehr als 1400 Liegeplätze für Yachten jeder Grösse, Schiffsausrüster, ein grosser Intermarché sowie eine den Yachthafen umschliessende Retortenstadt mit vielen Restaurants auf touristischem Niveau garantieren einen angenehmen, aber irgendwie beliebig wirkenden Aufenthalt. Es war der Ort, an dem Peter seine kulinarischen Vorurteile bestätigt sah.

Auch wir konnten dieser Riesenmarina nicht viel abgewinnen. Immerhin war der Komfort ausgezeichnet und dank einer Art „Hafengeneralabonnements“ das Alternative Sailing für Ihre Yachten abgeschlossen hatte, lagen wir auch kostenlos am Gästepier.

Informationen zum Hafen von Crouesty

Tagesweg: 30 Seemeilen

Am nächsten Morgen frischte der Wind aus Nordwest deutlich auf, das Meer wurde „bewegt“ gemeldet und gegen Ende des Tages sollten bis zu 6 BF wehen.

Es wurde ein rauschender Segeltag, der uns wieder aus der Bucht heraus und bis zur Belle-Île hin und wieder zurück führte.
„Sinnloses“ hin- und hersegeln; Was war das für ein Spass!

Auf diesem Schlag zeigte sich aber auch die Limitierung unserer tollen Yacht recht deutlich:
Ein tolles Fahrtenschiff, dass jeden Komfort bietet und auch über einen langen Zeitraum autark unterwegs sein kann, muss halt nicht auch noch schnell und gut segeln können 😉

Hart am Wind waren wir schnell übertakelt und das beherzte Reffen am Wind verbesserte zwar die Krängung, aber nicht die Höhe am Wind. Ein schwerer Kielschwerter wird nie die Segeleigenschaften einer echten Kielyacht erreichen, schon gar nicht mit einem gänzlich flachen Unterwasser-Lateralplan. An der Kreuz war unsere Ovni ein Kreuz…

Kurz vor dem Eindunkeln erreicht wir unseren nächsten und leider schon letzten Etappenort.

Port Haliguen

Die letzte Marina der „grossen Drei“ in der Bucht von Quiberon. Etwas kleiner als die beiden anderen, aber mit gut besetzten Besucherstegen, an denen bei unserer Ankunft am Abend bereits Boote in grossen Päckchen festgemacht hatten.

Wieder einmal konnte unsere Ovni zeigen, was sie kann.

Wir legten einfach am Besucherpier längs des Fähr- und Fischerquais an, der sich direkt an Backbord nach der Hafeneinfahrt befindet. Bei Niedrigwasser verbleiben dort je nach Liegeplatz und Gezeitenkoeffizient zwar nur noch einige bis gar keine Zentimeter unter dem Kiel, aber unsere Yacht konnte ja den Tiefgang reduzieren oder gar trockenfallen.

So fanden wir einen bequemen Platz, inmitten einer rauhen Fischerei- und Betonromantik. Ohne Päckchen und direkt an den sanitären Einrichtungen.

Der Hafen selbst ist recht angenehm, der Ort allerdings sehr klein und man muss zeitig losziehen, wenn man noch ein geöffnetes Restaurant finden möchten.
Ab 20:00 Uhr wird es eng mit den Köchen, die noch bereit sind ein ordentliches Znacht zuzubereiten!

Informationen zum Port Haliguen

Tagesweg: 31 Seemeilen

Am nächsten Morgen schliesslich hiess es nach dem Frühstück noch einen kurzen Schlag zurück nach La Trinité zu fahren.
Ein wenig Wehmut schwang mit, mussten wir unsere Ovni doch schon wieder an den Steg von Alternative Sailing zurückbringen.

Für uns hiess es nach 8 Seemeilen um 14:00 Uhr schon Törnende. Die Siebensachen waren schon gepackt, so dass wir entspannt den Checkout erledigten und uns das Taxi zum Flughafen von Lorient brachte, wo unser Flieger nach Paris und dann weiter nach Basel abhob.

Zum Abendessen sass ich schon wieder daheim am Tisch.

189 wunderbare Seemeilen lagen im Kielwasser einer tollen Crew mit einer echten französischen Blauwasseryacht in einem fantastischen Segelrevier, das auch noch quasi direkt vor unserer Haustür liegt.

Meine Einschätzung zum Segeln vor der südlichen Bretagne

Seglerisch ein Fünf-Sterne-Revier, dass auch noch einfach mit dem Zug aus der Schweiz zu erreichen ist.
Da ich Frankreich ohnehin sehr mag, war diese Woche für mich eines der seglerischen Highlights der letzten Jahre. In dieses Revier kehre ich sicher wieder zurück, es gibt noch so viel mehr zu entdecken!

Das Wetter gestaltete sich im Juni durchmischt. Aufgrund einer länger andauernden Hochdrucklage mussten wir relativ viel Strecke unter Maschine zurücklegen, es hatte schlicht wenig Wind. Gegen Ende des Törns zeigte das Revier aber, das es auch anders geht. Viel Segelspass und immer eine einfach zu erreichende, meist auch von der Tide unabhängige Marina in der Nähe. Das ideale Gebiet um in die Welt der Gezeitenseglerei reinzuschnuppern. Die Gezeitenströme sind meist gering, innerhalb der Bucht von Quiberon und in den Durchfahrten betrugen sie maximal 2 Knoten. Heftiger wird es im „kleinen Meer“, dem Golfe du Morbihan, in dem die Gezeitenströme dann auch schon mal an der 6 Knoten Marke kratzen oder darüber hinaus gehen.

Wir charterten unsere Ovni bei Alternative-Sailing in La-Trinité-sur-Mer über Scansail in Hamburg.
Die Yacht war grundsätzlich in Ordnung, allerdings traten unterwegs Probleme mit der WC-Anlage auf, die wir zum Glück mit etwas Geruchsentwicklung selbst provisorisch beheben konnten. Dieses Problem trat aufgrund einer mangelhaften Wartung auf, verkrustete Ein- und Auslassventile und mehrfache Einträge dieses Problems im bordeigenen Logbuch lassen auf eine eher „Laissez-faire“ durchgeführte Wartung schliessen.

Ein doppelt gründlich durchgeführtes Check-In hätte uns dieses unangenehme Problem vielleicht erspart.

Die Kautionen für Charteryachten in Frankreich sind im europäischen Vergleich exorbiant hoch. Wir hinterlegten 2’500.00 Euro für eine 39 Fuss Yacht. Eine gute Kautionsversicherung ist also Pflicht!

Unter dem Strich erlebten wir aber einen wunderbaren Törn in einem zugängliche aber trotzdem spannenden Gezeitenrevier.

Noch ein paar gute Webadressen zur Vorbereitung des Törns:

Wie immer freue ich mich auch über Deine Meinung und Ergänzung!
Schreib einfach ungeniert in das unten stehende Formular – Ich kann auch mit sachlicher Kritik, die der Verbesserung dient, gut umgehen!

Und nicht vergessen: Segelrevier.ch gibt es auch auf Facebook! Hin und wieder gibt es dort Updates und Angebote für Segeltörns, Ausbildung und Mitsegeln. Hier klicken»

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