Meine Nomade 640. Oder wenn die Gier kopflos macht. Teil 1

Nun,.. So ganz stimmt der Titel ja nicht.
Aber manchmal, in gewissen Momenten überkommt mich so ein unbestimmtes Gefühl…

Du solltest wissen, das ich schon Jahrelang davon Träume, auf „eigenem Kiel“ stolz und vom Wind umtost die Wellen bekannter und unbekannter Gestade zu durchpflügen.

Aber das ist für einen Normalsterblichen wie unsereins gar nicht so einfach:
Jahrelange Wartezeiten auf einen Liegeplatz, horrende Kosten für die Übernahme eben Desselben und die Anschaffung eines Bootes sind doch etwas demotivierende Faktoren bei der Umsetzung eines solchen Traumes.

Bis zu dem Tag, im März, als ich Sie sah…Im Internet, auf www.ricardo.ch
Eine quietsch-orange Nomade 640, Baujahr 1975:
Buonaventura - Meine Nomade 640

Nicht wirklich eine Schönheit, aber eigentlich noch ganz gut in Schuss. So für Baujahr 75.
Ein paar Kratzer im Gelcoat, grünliche Algen an den Leinen und etwas angegraut lag Sie schon den ganzen Winter im Wasser.
Innen aber leidlich trocken, etwas Wasser in der Bilge, dessen Quelle aber schnell gefunden war: Der Bugkorb war geklaut worden und nun waren die Schraubenlöcher für etwas (Regen-) Wassereintritt verantwortlich. Ausserdem, typisch für die Nomade 640, etwas undichte Fenster.

Sogar mehrere Segel sollten dabei sein und ein Yamaha Aussenborder in einer Art Schacht, innenbords.

Nebenbei ist die Farbe wirklich ganz witzig und der Preis schien mir auch attraktiv.
2900 Schweizer Franken Sofortkauf, inklusive romantischem Liegeplatz am wirklich tollen Neuenburger See.

Daheim dann das grosse Grübeln. Hin- und Her.

Schliesslich galt dann: Her damit.

So fing unsere Beziehung an.

Den bürokratischen Teil überspringe ich bei der Schilderung mal, ausser das die (für diesen Platz erstaunlich hohe) Platzmiete noch fällig wurde, ging es seinen typisch Schweizerischen (d.h. nicht wirklich schnellen) Gang und endete dann Mitte April in der Zusendung meines Bootsausweises.

In der Zwischenzeit konnte ich mit einem Kombi so ziemlich Alles von Bord nehmen, abschrauben und in unseren Keller einlagern.
Das war auch notwendig, einiges musste sofort in Angriff genommen werden:

Das Steckschot war morsch und ich musste ein neues Schot aus Sperrholz zimmern. Das wusste ich von meinem ersten Besuch auf der Nomade 640.
Also mit frischem Mut in den Baumarkt und ein paar Sperrholzbretter (…) Ich erspare Euch das, wie man ein paar Bretter zusammendengelt..
Dann kam der Tag, an dem der Motor geholt werden sollte.
Das erste echte Highlight, ein 8PS Yamaha Zweitakter quasi als Zugabe zum Boot, erwartete mich.

Und der Schock sass tief. Das mit dem Ding noch im Vorjahr jemand gefahren ist: Unglaublich.
Der Motor war bestimmt schon mehrere Jahre im Wasser (ich verdrängte zu dem Zeitpunkt noch das Boot selber) und die Opferanode hatte sich im Laufe der Jahre in den See verflüchtigt, b.z.w. freudig mit edlerem Metall vereinigt.

So sah die Schraube des Motors aus:

Schiffschraube Nomade

Über den Zustand des Motorschafts möchte ich hier den Mantel des Schweigens fallen lassen.
Aber 250 Franken und etwas Bastelei auf einer improvisieren Werkbank später, sah das Motörchen wieder ganz ordentlich aus. Sogar die total verstopften Unterwasserkanäle waren wieder gängig und das Getriebe hocherfreut über neues Öl. Denn der eigentliche Oberwasserteil unter der Motorhaube sah aus wie aus dem Laden! Als wenn das Teil nur ein paar Stunden im Einsatz gewesen wäre. Da lohnte der Arbeitseinsatz mit der Schraube und dem Schaft.

Um hier zu einem Ende zu kommen:

Das Ruderblatt musste noch mit GFK-Spachel renoviert und neu lackiert werden.

Die Pinne schliesslich hatte irgend ein Vorbesitzer so richtig ekelig Braun angestrichen. Dabei ist das Ding original aus richtig schönem Tropenholz! (Ja, ich bin auch gegen die Verwendung von Tropenholz, aber der Baum war schon lange gefällt und es wär doch schade drum…)
Die Farbe musste also runter. Dauerte alles in allem bis Mitte April und dann kam der Moment des grossen Einbaus und der ersten Fahrt.

Aber Denkste! Die Mühlen der Bürokraten mahlen langsam.
Ohne Bootsausweis keine Fahrerei.

Also noch schnell die Bezüge gewaschen, den Innenraum geputzt und die Werkzeugkiste komplettiert und…

den Motor angelassen.

Tatsächlich, ich hatte nicht damit gerechnet, aber der Motor läuft prima.
Er stinkt zwar wie ein alter Trabant und säuft dazu wie ein 6 Liter Chevy…
Doch darüber mehr im nächsten Teil…

  • Dort erfährst Du, wieviel Benzin so ein kleiner Motor wirklich trinken kann,
  • Wie einfach man ein Segelboot definitiv so Leegierig bekommt, das es nicht mehr segelbar ist,
  • Für wieviele Personen Paella eine Nomade 640 gut ist,
  • Und schliesslich, ob am Ende doch noch alles gut gekommen ist oder ob es überhaupt ein Ende gibt…

Stay tuned! Der zweite Teil folgt in Kürze!

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2 Antworten auf “Meine Nomade 640. Oder wenn die Gier kopflos macht. Teil 1”

  1. Schüpbach Dellsperger
    28. September 2007 at 08:23 #

    Lieber Uwe
    Eher zufällig sind wir auf Deine Homepage gestossen und stellten fest, dass wir ja fast ‚Bootsnachbarn‘ in Cheyres sind (grüne Condor 70).

    Wir freuen uns auf die Fortsetzung der unterhaltsamen Geschichte mit Deiner Nomade.

    Bis bald im ‚Das Gino‘ in Burgdorf

    Elisabeth Schüpbach (Liseli)
    Stephan Dellsperger (Däusi)

  2. Gilles Leuenberger
    11. März 2009 at 10:24 #

    Hallo Uwe
    Cheyres trifft sich im Internet!
    Genauso wie die „Grünen“ treiben sich die „Gelben“ nicht nur auf dem See, sondern auch im Netz rum. Dein Beitrag ist schon eine Weile her gibt’s den 2. Teil?

    Bis bald
    Die Crew der gelben Condor 70

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