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Seekrankheit! Oder wenn Dir das mit dem Segeln nochmal durch den Kopf geht.

Von Siteskipper | 15.Januar 2008 | Trackback

seekrank muss nicht sein

Die Geissel des Hobby-Skippers und der Segel-Crew ist die gern zu Törnbeginn einsetzende Kinetose oder auch Seekrankheit.

Ich selbst habe auch so meine Erfahrungen damit sammeln dürfen, bin also alles andere als immun dagegen.

Lebhaft erinnere ich mich an meinen ersten “Segel – Törn”, den ich durchnässt und frierend im Cockpit eines vor sich hinschaukelnden Seelenverkäufers mit bekifft-besoffenem Skipper, eingeklemmt zwischen meterhohen Kabbel-Wellen auf der Strecke von La Gomera nach El Hierro “durchleiden” durfte.
Niemals hätte ich damals gedacht, das soooo viel in einen Magen passt.

Und ganz klar war auch: Auf ein Segelboot setze ich garantiert keinen Fuss mehr!
Das war im Februar 1993.

Wie es mir gelungen ist, mit der Seekrankheit Frieden zu schliessen und wie ich einen “Revier-Versöhnungstörn” zwischen den Kanarischen Inseln schliesslich nicht nur überlebt, sondern wirklich genossen habe, erfährst Du, wenn Du hier weiterliest.

Seekrankheit und deren Bekämpfung ist eines der unter Skippern wohl am heissesten diskutierten Themen.
Jeder hat sein Hausmittelchen und schwört auf den einen oder anderen Weg mit diesem Übel umzugehen. Geht mir genau so. So wie ich es bei mir mache, kann ich ziemlich sicher sein, wenn überhaupt, dann nur kurz beeinträchtigt zu werden.

Das ist meiner Meinung nach auch schon der erste Ansatz zur “Heilung” der Seekrankheit: Du musst von Deiner Methode der Seekrankheits-Bekämpfung überzeugt sein und dieser vollständig vertrauen.

Denn Seekrankheit entsteht zu allererst im Kopf: Wer Angst hat Seekrank zu werden, wird auch Seekrank.
Da hilft dann nur noch der Griff in die “Hammer-Medi”-Kiste mit den entsprechenden Nebenwirkungen wie Benommenheit, Sehstörungen, Müdigkeit etc. Ein Crew-Mitglied, das permanent unter der Wirkung von Antihistaminika, Neuroleptikas oder Pflastern mit Skopolamin oder Atropin steht, ist für einen Skipper in der Regel nicht vollwertig einsetzbar.

So besteht für mich der erste Schritt darin, die Seekrankheit zu akzeptieren.
Ich weiss, das mir schlecht wird, wenn ich nach langer Zeit das erste Mal wieder auf See gehe und mit Wellenbewegungen konfrontiert werde, die es daheim am Neuenburgersee nicht gibt.

Neuere Forschungen haben aufgezeigt, das der lange vermutete Zusammenhang zwischen Auge und (fehlinformiertem) Gleichgewichtssinn nicht in dem Masse Seekrankheit hervorruft, wie angenommen. Schliesslich erkranken auch blinde Menschen an Kinetose.

1997 beschrieb Prof. Dr. Hans Scherer von der FU Berlin in ESYS bereits in einem Nebensatz den vermuteten Zusammenhang zwischen der Histaminkonzentration im Blut und der Anfälligkeit für Seekrankheit. 2006 schliesslich fand Dr. Reinhard Jarisch, Leiter des Floriansdorfer Allergiezentrums in Wien, heraus das die Einnahme von Vitamin C reichen Nahrungsmitteln vor und während dem Törn, die Seekrankheit und die damit verbundenen Beschwerden erheblich vermindern kann.

Wenn man diese Theorie mal ganzheitlich auf einen normalen Törnverlauf betrachtet, fällt mir recht schnell auf, warum ich jeweils Seekrank geworden bin und wo ich etwas anders hätte machen können:

Daneben gibt es noch eine ganze Palette mehr an Mitteln gegen Seekrankheit, die man als Skipper zumindest kennen sollte.
Sehr gut funktionieren soll z.B. das Kauen auf kleinen Ingwer-Stückchen. Kann man ja bunkern, den Ingwer – Dann hat man was zum ausprobieren.

Ich persönlich halte nichts davon, Finger aufeinander zu pressen. Aber wenn es hilft, ist es gut. Man muss halt dran glauben und Versuch macht klug.
Wieso also nicht einem Crewmitglied alternative Methoden zur Bekämpfung von Seekrankheit empfehlen? Es ist erstaunlich was alles funktioniert, wenn man dran glaubt.

Wenn bei mir nichts mehr hilft, hilft übrigens Stugeron. Mit Stugeron (Wirkstoff: Cinnarizin) konnte ich jeweils, wenn alle Stricke rissen, die Seekrankheit recht schnell in den Griff bekommen. Die Einnahme war jeweils, wenn überhaupt, nur in den ersten beiden Tagen eines Törns von nöten. Man sollte daher immer wieder versuchen, ob es auch “ohne” geht, anstatt den ganzen Törn über Blind “Stuggies” einzunehmen und ggfls. die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen.

Ich freue mich übrigens, wie immer, auf Kommentare zu meinen Artikeln. Nur so als kleiner Hinweis darüber, das ich mich auch über Kritik freue ;)

Rubriken: Blauwasser, Chartern, Seemannsgarn, Zugeschaut und Mitgebaut | 1 Kommentar » Trackback
 

Ein Kommentar to “Seekrankheit! Oder wenn Dir das mit dem Segeln nochmal durch den Kopf geht.”

  1. Daester Heinz meint:
    2.Juni 2008 at 17:16

    Lieber Siteskipper

    Ich habe mit grossem Interesse deinen Artikel gelesen und bin mit vielem einverstanden.

    Ich persönlich gewichte die psychologische Komponente als nicht ganz so bedeutungsvoll wie Du, bin aber andrerseits auch der Meinung, dass das Verhalten (Skipper, Crew, Einzelperson) eine Rolle spielt. Für mich ist der Kern der Sache physiologisch bedingt, ohne aber den psychologischen Einfluss verneinen zu wollen.

    Nach 17jähriger Tätigkeit als Skipper und über 17000 SM Erfahrung stelle ich fest, dass kein sanftes Mittelchen je wirklich etwas bei anfälligen Crewmitgliedern genützt hat.

    Stugeron half bislang am besten – aber auch nicht bei allen Crewmitgliedern gleich gut. Bei Einigen war gar keine nennenswerte Wirkung da. Stärker beeinträchtigende Nebenwirkungen konnte ich bislang noch bei niemandem feststellen.

    Vitamin C in hohen Dosen hilft offensichtlich auch, aber ebenfalls nicht bei allen.

    Mit freundlichem Gruss
    Heinz Ernst Daester

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